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Beispiel einer intakten Naturlandschaft Lawinenverbauung und Schutzwald am Fahrenberg

Zum Anlass des 50-jährigen Bestehens des Lawinenwarndienstes Bayern begleiten wir im Rucksackradio diesen Winter die Arbeit der Lawinenexperten. Mit ihrem Lagebericht bieten sie nicht nur Wintersportlern ein entscheidendes Instrument für die Sicherheit.

Von: Georg Bayerle

Stand: 02.12.2017

Lawinenverbauung und Schutzwald am Fahrenberg | Bild: BR; Georg Bayerle

Der Lawinenwarndienst dient auch dem vorbeugenden Katastrophenschutz. Siedlungen, Straßen und Schienen sollen vor Naturgefahren bewahrt werden. Der beste Schutz ist dabei eine intakte Naturlandschaft. Am Fahrenberg, einem Ausläufer des Herzogstands über dem Walchensee zeigt sich das beispielhaft.

Schneefangnetze im Steilhang

Von der Seilbahn zum Herzogstand aus zeigen sich heute noch die Folgen, die eine scheinbar harmlose Fahrlässigkeit im Bergwald haben kann: Thomas Feistl vom Lawinenwarndienst Bayern erkennt die von einem Großbrand am 1.Januar 1990 versehrten Stellen auf den ersten Blick. Damals hatte ein Jugendlicher einen Feuerwerkskörper aus der Seilbahn geworfen und so den Waldbrand verursacht. Große Flächen des Schutzwalds wurden damals vernichtet. Flächen, die potentiellen Lawinen-Anriss-Gebiete mussten neu verbaut werden. Auf mehreren hundert Höhenmetern sind hölzerne Stützen in den steilen Hang eingepflockt worden. Die Dreibeinböcke lassen den Gleitschnee nicht abrutschen, denn auf den steilen grasigen Flächen lässt sich nur schwer wieder Schutzwald hochbringen. So wirken die Folgen des Waldbrands bis heute nach.

Der Hubschrauber bringt Holzböcke

Der Hubschrauber kreist an einem sonnigen Spätherbsttag über dem Fahrenberg. Am Drahtseil schleppt er weitere Holzstützen an den Berghang, wo sie dicht an dicht im Boden verankert werden. Hans Konetschny, der Leiter der Bayerischen Lawinenwarnzentrale weiß aus jahrzehntelanger Erfahrung, was ein intakter Schutzwald wert ist, wenn es um Erosion, Lawinen und Starkniederschlag geht. Die aufwändige Sanierung mit Pflanzen und Gleitschneebrücken kostet viel Geld und Zeit. Rund 800 Höhenmeter zieht diese Bergflanke direkt ins Tal. Die Bestandsaufnahme macht auch deutlich, welchen Schaden die beiden Männer angerichtet haben, die im Vorjahr an Silvester mit einem Lagerfeuer den Bergwald am benachbarten Jochberg in Brand gesetzt haben Die Wunde im Schutzwald ist vom Herzogstand aus gut zu erkennen.

Der neue Schutzwall über Mittenwald

Wo die natürliche Schutzfunktion des Bergwalds nicht ausreicht, muss oft mit enormem Aufwand ausgeholfen werden. Das Bollwerk einer ganz neuen Sicherheitsarchitektur fällt sogar aus der Entfernung vom Herzogstand aus ins Auge: ein bogenförmiger Wall oberhalb von Mittenwald. Oberhalb eines Waldbuckels linker Hand zum Karwendel gefährdet eine Lawine den Ort Mittenwald. Deshalb wurden ein Damm und im Anrißgebiet drei Obelix-Sprenganlagen errichtet. Damit die kontrollierten Sprengungen nicht selbst die unmittelbar darunter liegende Bundesstraße 2 oder gar den Ort Mittenwald gefährden, soll das Bollwerk die Lawinen ablenken. Wenn man direkt vor dem Damm steht, sieht er furchtbar aus. Wird er aber begrünt und wächst zu, dann verschwindet er in der Landschaft, und die Sprenganlagen werden im Sommer abmontiert. In diesem Winter wird das aufwändige Sicherheitskonzept nun erstmals erprobt. Bundesstraße und Ortschaft zwängen sich hier unter der 1500 Meter hoch aufragenden Karwendelkette ins Isartal. 200 Menschen sind potentiell gefährdet, weil Infrastruktur ins Gefahrengebiet hineingebaut wurde. Alle 40 Jahre etwa ist mit einem großen Lawinenabgang zu rechnen.

Der Freistaat Bayern handelt nach der Devise, die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Da durch den Klimawandel die Wetterextreme zunehmen, steigt auch der Aufwand, um den Naturgefahren in den Bergen vorzubeugen. Im Phänomen der Lawine spiegelt sich so auch der Umgang des Menschen mit der Natur.

Der Fahrenberg


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