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Friedl mit der leeren Tasche Alpines Wandertheater in der Ötztaler Bergwelt

April 1416. Herzog Friedrich IV. von Tirol, besser bekannt als „Friedl mit der leeren Tasche“, hat beim Konzil von Konstanz auf den falschen Papst gesetzt, sich den Zorn des Kaisers zugezogen, alles verloren und muss fliehen. Seine Flucht von Konstanz nach Meran führt auch ins hinterste Ötztal, nach Vent zum Rofenbauer, der ihn drei Tage lang versteckt, bis ihn dann ein bergkundiger Helfer über den Niederjochferner hinüber ins Schnalstal bringt.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 01.09.2017

Alpines Wandertheater  | Bild: BR, Andrea Zinnecker

Die abenteuerliche Flucht vor gut 600 Jahren lässt sich live vor Ort erleben: als Open-Air-Theater mitten in der Ötztaler Bergwelt. An drei Originalschauplätzen zwischen Vent und dem Niederjoch inszeniert der bekannte österreichische Regisseur Hubert Lepka mit Schauspielern in historischen Gewändern Friedls Flucht.

Morgenstimmung im Rofental

Mit einem Knopf im Ohr hört der Theaterwanderer auf dem Weg von Vent durch das Niedertal zur Martin-Busch-Hütte das Stück: die Musik, den Erzähler, die Dialoge der Schauspieler. In diesem Sinne ist es eine leise Inszenierung, ein Theaterstück, das in der Natur spielt, aber nicht in sie eingreift, sagt Regisseur Hubert Lepka, der in Sölden auch das Hannibal-Spektakel inszeniert. „Friedl mit der leeren Tasche“ aber ist genau das Gegenteil: leise, still, authentisch, kein buntes Bauerntheater am Berg, kein plattes Volkstheater vor alpiner Kulisse, sondern ein sublimiertes Historienstück mit vielen Gegenwartsbezügen - wunderbar und wanderbar!

Auf zum 1. Spiel-Schauplatz im Rofental

Erster Schau-Spiel-Ort: das Rofental nahe den 2014 Meter hoch gelegenen Rofenhöfen, die schon seit dem 13. Jahrhundert ganzjährig bewirtschaftet werden. Hier verdingt sich Herzog Friedl als Knecht. Anna, die Magd und Stieftochter des Rofenbauern, bringt ihn dann zum Kaser im Niedertal, eine Alm, die erst ab dem Frühsommer bewirtschaftet wird und dem Gesuchten ein gutes Versteck bietet. Der Kaser ist nicht nur ein sagenhaft schöner Platz mit Blick zum gletschergleißenden Similaun, sondern auch der zweite Schau-Spiel-Platz.

Knecht Friedl und Magd Anna

Der gebürtige Vorarlberger Ekke Hager stellt den Friedl dar. Auch für die Schauspieler ist das alpine Open-Air-Theater eine ungewöhnliche Herausforderung, schon allein konditionell. Schauspieler wie Zuschauer sind Wind und Wetter ausgesetzt, erleben dieselben Strapazen, schwitzen und frieren. Marion Hackl spielt die fremde Frau in opulentem Renaissancegewand und kommt mit eng geschnürtem Mieder schnell ins Schnaufen, wenn es bergauf geht. Der dritte und letzte Schau-Spiel-Ort ist eine felstrümmerdurchsetze Wiese hinter der Martin-Busch-Hütte unter dem Marzellkamm, weglos. Anna Maria Müller, im Spiel die Magd, tanzt hier barfuß in rund 2600 Meter Höhe und bekommt kalte Füße. Überhaupt - das Wandertheater mitten in der Ötztaler Gletscherwelt zwischen all den markanten Dreitausendern geht unter die Haut. Fantasie und Fiktion treffen Historie und alpine Realität. Das Publikum ist beindruckt.

Verfolgt auf der Flucht

„Friedl mit der leeren Tasche“ wird vom 7. bis zum 17. September an 8 Terminen gespielt. Die alpine Theaterwanderung dauert von 8 bis 16 Uhr und erfordert mit gut 600 Höhenmetern schon etwas Kondition! Tickets gibt es bei Ötztal-Tourismus und mehr Informationen unter www.torren.at
Die Teilnahme kostet 32 Euro, für Jugendliche 19 Euro.


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