Neue Trends auf der Outdoor-Messe Vom Hangout zur alpinen Leichtigkeit des Seins

„Wir müssen leider draußen bleiben“ heißt es bei der alljährlichen Outdoor-Messe in Friedrichshafen – nicht für Hunde, sondern für Otto Normalverbraucher. Die Produzenten und Händler wollen unter sich bleiben, wenn sie die neuesten Dinge zeigen, die spätestens im kommenden Jahr in den Läden zu finden sind, wo Alpinisten, Bergwanderer und andere Fans des Draußen-Lebens sich ausstatten. Das Branchentreffen am Bodensee ist am Mittwoch zu Ende gegangen. Wir stellen Ihnen schon mal vor, was es an Innovationen gibt.

Von: Folkert Lenz

Stand: 24.06.2017

Vom Hangout zur alpinen Leichtigkeit des Seins | Bild: Folkert Lenz

Es ist ein wenig wie mit des Kaisers neuen Kleidern: Immer leichter, kleiner und dünner werden Berghosen und –jacken. Irgendwann ist kein Stoff mehr auf der Haut – und keiner will es bemerkt haben. Zu den „neuen Kleidern“ gehört auch die preisgekrönte, ultraleichte Windjacke „Alize“ des britischen Herstellers Paramo. Mit 103 Gramm wiegt sie so viel wie eine Tafel Schokolade und ist dabei noch nicht mal die leichteste auf dem Markt. Für die Jury des Outdoor Industry Awards bietet der weiße, fast durchsichtige Anorak mit helmtauglicher Kapuze und handwärmenden Taschen mehr Wetterschutz als man vielleicht erwartet hätte. Natürlich besitzt er nicht die gleiche Reißfestigkeit wie eine schwere Drei-Lagen-Jacke, die darauf ausgerichtet ist, dass man schwere Rucksäcke trägt.

Rucksäcke werden immer leichter.

Schwere Rucksäcke sind sowieso out. Diesen Eindruck konnte man auf der Outdoor-Messe in Friedrichshafen gewinnen, denn die moderne Ausrüstung ist darauf getrimmt, dass man flott unterwegs ist. Im Laufschritt rauf auf die Gipfel, flugs wieder runter – das scheint die Devise. Mehr als eine Notjacke gegen das schlechte Wetter muss man offenbar gar nicht dabeihaben. Herkömmlicher Regenschutz würde ohnehin nicht in den Mini-Backpack hineinpassen. Voluminöse und schwere Ausrüstung behindert nur die Schnelligkeit.

Das Kuppelzelt 'Space Seamless' wiegt nur 1300 Gramm - so hat auf der Wanderung keiner viel zu tragen

So ist auch ein neuartiges Kuppelzelt des oberschwäbischen Outdoor-Produzenten Vaude mit rund 1300 Gramm zwar nicht das leichteste der Welt, aber wer es kuschelig mag, der kann sich sogar zu zweit unter die laubgrüne Kuppel des „Space Seamless“ zwängen. Eine Auszeichnung bei der Messe in Friedrichshafen haben die Tüftler aus Tettnang für ein neues Verfahren erhalten, die Zeltplanen zusammenzufügen, sagt der Vaude-Innovationsmanager Kai Vogt. Im Zuge der neuen Technologie werden die Nähte nicht mehr genäht, sondern geklebt, und zwar wasserdicht und reißfest. Das Innenzelt besteht zu großen Teilen aus Netzgeflecht. Auch das Leichtgewichtszelt ist gedacht für die Zack-Zack-Fraktion, die zügig am Berg unterwegs ist.

Das Blockiersystem des Klettersteigsets 'Rider 3.0' soll weite Stürze schon im Ansatz verhindern

Auf mehr Sicherheit können sich dagegen Ferrata-Fans freuen – auch, wenn sie etwas mehr schleppen müssen. Der Ausrüster Skylotec aus dem Westerwald hat jahrelang am „Rider 3.0“ gebastelt. Das Blockiersystem soll weite Stürze am Klettersteig schon im Ansatz verhindern, denn ein Arm des Klettersteig-Sets wird ersetzt durch den Rider, diese Seilklemme. Der Vorteil dieses Gerätes ist einfach: Am Drahtseil läuft diese Seilklemme mit, und im Falle eines Sturzes rutscht man nicht mehr zurück bis zum nächsten Ankerpunkt, was mit einem normalen Karabiner passieren würde, sondern es blockiert gleich an der Stelle und vermeidet so einen Sturz. Eine Art Doppelkralle packt im Falle eines Falles nämlich automatisch und sofort zu. Das System bietet somit mehr Sicherheit und hilft den Ferratisti auch an heiklen Stellen, wo das Drahtseil durch steilstes, senkrechtes oder gar überhängendes Felsgelände verläuft.