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25 Jahre Nepalhilfe Beilngries Vier bayerische Polizisten und ihre erfolgreiche Initiative

Selten hatte eine Bergtour so nachhaltige Folgen wie jene Trekkingtour, die vier bayerische Polizisten aus Beilngries vor gut einem Vierteljahrhundert nach Nepal unternahmen. Sie gründeten nach ihrer Rückkehr einen Verein: die Nepalhilfe Beilngries.

Von: Susanne Pfaller

Stand: 18.03.2017

25 Jahre Nepalhilfe Beilngries | Bild: Michael Rebele

Spendenfreudige Beilngrieser

Bei der Umrundung des Achttausenders Annapurna hat die vier Polizisten nicht nur die atemberaubende Natur beeindruckt, sondern vor allem die Herzlichkeit der Menschen, die in großer Armut leben. Die Wanderer waren sich einig: Wir wollen helfen. Mit ihrer Begeisterung konnten sie viele Beilngrieser anstecken. Gleich beim ersten Dia-Vortrag über die Nepalreise wurde von der Bevölkerung 2.000 DM gespendet. Damals in etwa das Monatsgehalt eines Polizisten. Das Geld schickte der junge Verein zu deutschen Ordensfrauen nach Nepal.

Selbstgebasteltes und Nepal-Wein

Ein Wasserturm für die Versorgung

Bereits damals ist dem Nepalhilfe-Gründungsmitglied Michael Rebele aufgefallen: „Nepal gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, aber die Menschen strahlen wirklich Glück und Zufriedenheit aus.“ Und so kamen die Nepal-Begeisterten auf die Idee, dem Land und den Menschen etwas zurückzugeben. Der Verein, der 1992 in Beilngries ins Leben gerufen wurde, wollte aber nicht nur Geld in die Himalaya-Region schicken, sondern auch eigene Projekte auf die Beine stellen. So sammelte man kräftig weiter, verkaufte in Beilngries selbstgebastelte Fotokalender und nepalesische Waren auf Basaren. Dazu den auch online vertriebenen Nepal-Wein. Gut zehn Millionen Euro sind so in 25 Jahren zusammengekommen.

Vom Kinderhaus ins Berufsleben

Pasang: Start des Kinderhaus

Ein bedeutender Markstein war der Bau des Shaligram Balgriha Kinderhauses, das der frühere Vorsitzende Karl Rebele initiiert hatte. Mit dem Besuch von Christiane Herzog, der Gattin des damaligen Bundespräsidenten, gab es 1996 eine breite Öffentlichkeit, die sich für die Aktivitäten der Nepalhilfe Beilngries interessierte. Zunächst fanden 14 Kinder eine feste Bleibe im neuen Kinderhaus. Mittlerweile wurde in Lubhu, einem Vorort von Kathmandu, ein neues Kinderhaus gebaut. Dort beherbergt die Nepalhilfe Beilngries 43 Voll- und Sozialwaisen. Mittlerweile konnten bereits 16 ehemalige Kinder das Haus verlassen; sie arbeiten in verschiedenen Berufen in Kathmandu.

Waisenhaus und Blindenschule

Melchaur: Provisorium der Schule

Trotz der zahlreichen Unterstützer ist der Kern der Nepalhilfe Beilngries nach wie vor ein kleiner, eingeschworener Freundeskreis. Gerade einmal 15 Mitglieder hat der Verein bis heute. In Nepal sind es ein Dutzend Mitarbeiter. Mehr sollen es auch nicht sein. Denn innerhalb des überschaubaren Teams stimmt die Chemie und klappt die Kommunikation – auch über große Entfernungen hinweg. Michael Rebele und Vorstand Ralf Petschl sind selbst erstaunt, wie viele Projekte sie schon umsetzen und finanzieren konnten. Vom Waisenhaus bis zu den Krankenhäusern, die unterstützt werden. Außerdem hat die Nepalhilfe Beilngries 28 Schulen gebaut: von der Primary School bis zur Secondary Highschool mit 800 Schülern. Auch für eine Blindenschule zeichnet der Verein verantwortlich. „In den vergangenen 25 Jahren sind 10.000 Schüler durch unsere Schulen gelaufen“, berichtet Ralf Petschl.

Engagement im medizinischen Bereich

Ein Ultraschallgerät leistet ganz große Hilfe

Das schwere Erdbeben im Jahr 2015 hat die Nepalhilfe Beilngries vor große Herausforderungen gestellt. So wurde die erste Schule der Nepalhilfe komplett zerstört, wird aber derzeit wieder neu aufgebaut. Nach der Fertigstellung sollen wieder mehr als 600 Schüler unterrichtet werden. Weitere Projekte hat der Verein im medizinischen Bereich umgesetzt. So werden Krankenhäuser und Armenapotheken unterstützt sowie die Anschaffung von Sanitätsfahrzeugen. Die medizinische Versorgung in Nepal ist nämlich verbesserungswürdig: Krankenhuser oder Sanitätsposten sind oft Tagesmärsche entfernt. Selbst in Kathmandu sind Medikamente bzw. ein Arztbesuch oder gar ein Krankenhausaufenthalt auch im Jahr 2017 nicht selbstverständlich. Mittlerweile wird auch ein Altenheim von der Nepalhilfe Beilngries finanziert.

Das Trekking ist in den Hintergrund getreten

Die Kinder nehmen Aufstellung

Mindestens zweimal im Jahr sind die Vereinsmitglieder in Nepal. Der Blick auf die vielen Kinder, denen die Nepalhilfe Beilngries eine Schulbildung und damit bessere Zukunftschancen ermöglicht hat, macht den Mitgliedern Mut. Doch Urlaub wie vor mehr als einem Vierteljahrhundert haben Michael Rebele und seine Freunde im Land der Achttausender nicht mehr gemacht. „Das Wandern und Trekking ist doch ziemlich in den Hintergrund getreten“, bilanziert er.


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