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Berge aus dem All Sonderausstellung im Messner Mountain Museum Firmian

Mount Everest, Aconcagua, Denali – man kennt die Fotos der prominenten Gipfel unserer Erde. Ganz neue Perspektiven dieser Bergriesen werden im Messner Mountain Museum Firmian bei Bozen ausgestellt. Fotografiert vom Satelliten aus dem All.

Von: Ernst Vogt

Stand: 15.04.2017

Sonderausstellung im Messner Mountain Museum Firmian | Bild: BR; Ernst Vogt

Dreidimensionale Film-Sequenzen

Eingangstor von Schloss Sigmundskron

Mit den Bergen haben sich seit jeher Künstler und Abenteurer, Philosophen und Naturwissenschaftler beschäftigt. Mittlerweile ist sogar das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt an den hohen Gipfeln interessiert. Denn auf der Basis von Satelliten-Aufnahmen werden Einstellungen von ausgewählten Gipfeln berechnet, die so noch kein Mensch gesehen hat. Die fotorealistischen Darstellungen und die dreidimensionalen Film-Sequenzen des DLR prägen die Sonderausstellung „Berge aus dem All“ auf Schloss Sigmundskron.

Fotos aus 700 km Höhe

Fotorealistische Darstellungen vor Burgmauern

Nils Sparwasser, Abteilungsleiter Wissenschaftskommunikation und Visualisierung am Earth Observation Center des DLR, erklärt, wie diese außergewöhnlichen Fotos zustande kommen: „Der Satellit nähert sich dem Berg mit einer Geschwindigkeit von 25.000 km/h in einer Höhe von 700 Kilometern und nimmt ihn in den Fokus seiner Kamera. Während er auf den Berg zufliegt, nimmt er das erste Foto, das zweite, sobald er über dem Berg ist, und das dritte, wenn er hinter dem Berg ist.“ Der Vorteil für die Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt: Dadurch bekommen sie drei verschiedene Perspektiven; aus diesen können sie ein Geländemodell rechnen.

Moderne fotorealistische Darstellungen im Kontrast zu Ölbildern

Magdalena Messner beim Interview

Magdalena Messner, die Direktorin des Messner Mountain Museums Firmian, hat die „Bilder aus dem All“ zusammen mit den „Bergen in der Malerei“ zu einem spannenden Raumkonzept verwoben. Die Ausstellung lebt vom Gegensatz der beeindruckenden Perspektiven aus dem All und der Jahrhunderte alten Malerei. „Ein Ölbild ist nicht zu übertreffen“, sagt Kunsthistorikerin Magdalena Messner, „es ist eine schlichte Form, aber sie erzählt unheimlich viel.“

Kailash hat Schlüsselstellung

Reinhold Messner in der Sonderausstellung

Reinhold Messner möchte mit dieser Ausstellung wichtige Stationen der alpinen Geschichte erzählen. Ganz bewusst steht ein großes Bild vom Kailash des österreichischen Malers Herbert Brandl im Eingangsbereich. „Der Kailash in Tibet ist der erste mythologische Berg und deshalb hat er eine Schlüsselstellung“, erklärt Messner. Er spannt in der Sonderausstellung den Bogen vom Kailash über Matterhorn und Mount Everest bis zum Nanga Parbat. Letzteren kann der Ausstellungsbesucher in einer Film-Sequenz erleben; der Berg dreht sich auf der Leinwand, sodass man alle Seiten und Flanken einsehen kann.

Herausforderung für die besten Kletterer

Die höchsten Berge der Kontinente - der Aconcagua

Wichtig war für Reinhold Messner, den Masherbrum, einen Siebentausender, mit im Reigen seiner Gipfel zu haben. Der Masherbrum hat auch die Wissenschaftler in Atem gehalten und sich lange in Wolken gehüllt, bis er sich endlich – nach zwei Jahren – fotografieren ließ. Der Masherbrum ist eine der großen Herausforderungen für die besten Kletterer der Gegenwart, von David Lama bis Hansjörg Auer. „Das ist wie die Eiger-Nordwand 1938, die jungen Kletterer wollen da hinauf“, erläutert Messner bei der Ausstellungseröffnung. Er selbst schätzt die Wand als wahnsinnig gefährlich ein; außerdem ist sie doppelt so hoch wie die Eiger-Nordwand. „Ich bin froh, dass ich mich dieser Herausforderung nicht mehr stellen muss“, sagt der Museumsgründer. Das Messner Mountain Museum Firmian bei Bozen ist bis zum zweiten Sonntag im November geöffnet, täglich von 10 bis 18 Uhr. Am Donnerstag ist Ruhetag.


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