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Das Hundstoa-Ranggeln im Pinzgau Friedliches Kräftmessen der Senner am Hundstein

Morgen ist es wieder soweit - das "Hundstoa-Ranggeln" wird erneut Hunderte von Rangglern und schaulustigen Wanderern auf den Hundstein im Pinzgau locken. Auf dem Gipfel dieses gut 2100 Meter hohen Grasberges hat das Ranggeln, also das friedliche Kräftemessen der Senner, schon seit 1518 Tradition und somit seit fast 500 Jahren.

Von: Georg Antretter

Stand: 29.07.2017

Friedliches Kräftemessen der Senner am Hundstein | Bild: BR; Georg Antretter

2010 wurde dieses besondere alpine Brauchtum ins immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen. Wer in diesem Jahr dabei sein will, hat voraussichtlich Glück, denn für den morgigen Sonntag ist viel Sonne vorhergesagt. Um 10 Uhr beginnt die Bergmesse auf dem „Hundstoa“, dann geht das Ranggeln los.

Zuschauer am Statzerhaus auf dem Hundstein

Der ehemalige Ranggler Günther Heim war schon 1965 nicht nur "Hogmoar", also der Gewinner des Ranggelns, sondern er hat auch ein Buch über diesen "ältesten Sportwettbewerb in ganz Europa" geschrieben. Der erste schriftliche Belege ist das Hundstoa-Edikt aus dem Jahr 1518 vom Salzburger vom Erzbischof Leonhard, dem zu Ohren gekommen war, dass es da nicht ganz koscher zugeht. Somit drohte ein Verbot, das dann aber doch nicht umgesetzt wurde. In den früheren Jahrhunderten waren auf den zahlreichen Almen der Pinzgauer Grasberge oft an die 500 Personen tätig. Am Jakobitag, dem „Joggastag“, wurde zum Abschluss der Bergmahd eine Art Erntedank gefeiert hat, verbunden mit Tanz und Gesang und einem Kräftemessen.

Naturarena am Hundstein

Vier Stunden dauert der Aufstieg von Bachwinkel auf den Hundstein. Die meisten wandern zu Fuß von Maria Alm, Zell am See, Bruck an der Glocknerstraße oder Hinterthal hinauf – von nahezu überall führen Wege auf den Hundstein, und nicht nur für die Einheimischen, auch für viele Urlauber ist das Hundstoa-Ranggeln ein Pflichttermin. Daher ist schon um halb zehn in der Früh am Statzer Haus auf dem Gipfel vom „Hundschtoa“ ganz schön was los – an die 100 Ranggler und 3000 Zuschauer sind zu Fuß oder mit den unübersehbaren „Ranggler-Taxis“ auf diesen Pinzgauer Aussichtsberg heraufgekommen. Alle wollen nicht nur das prächtige 360- Grad-Panorama genießen, sondern auch erleben, wie sich Burschen und gestandene Männer auf der Bergwiese wälzen. In blitzweißen Ranggler-Anzügen sitzen die Teilnehmer noch ganz entspannt am Rand der Naturarena und warten auf dem Beginn des Spektakels. Viele haben schon als Achtjährige mit dem Ranggeln angefangen. Am Start sind Ranggler aus Salzburg, aus Ost- und Südtirol und auch aus Bayern, die jüngsten mit gerade sechs Jahren - und das bei jedem Wetter! Egal ob Schneefall oder Gewitter – das Hundstoa-Ranggeln wurde noch nie abgesagt. und der Salzburger Ranggler-Landesobmann Josef Bernhofer hat alles im Griff. Und kein Hundstoa-Ranggeln ohne vorherige Messe! Zelebrant ist Pfarrer Klaus Lareiter, der selbst schon mal den Titel des Hogmoars errungen hat.

Gruppenfoto mit dem Hogmoar, der die Fahne schwingen darf

Nach der Messe sind auf einen Schlag die jüngsten Ranggler in der Arena, gleich drei Paare auf einmal. Alle werden von ihren Vätern angefeuert und von den Schiedsrichtern genau beobachtet: In maximal fünf Minuten muss der Gegner mit den Schultern auf den Boden gezwungen sein. Für die jungen Ranggler gelten dabei dieselben Spielregeln wie für die alten. Es ist zwar die einzige Ringerart, bei der die Beine mit den Händen angefasst werden können - Schmerzgriffe sind aber tabu! Wenn einer unfair kämpft, dann wird er ausgeschlossen, zum Beispiel wenn er mit der Faust zuschlägt. In die zweite Runde kommen nach dem KO-System nur die Sieger und ins Finale zieht schließlich der Ranggler mit den kürzesten Kampfzeiten in den Vorrunden ein.

Der Hundstein


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