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Petroglyphen auf der Kallbrunnalm Neues Buch über Felsritzzeichnungen in den Ostalpen

An verschiedensten Stellen in den Alpen gibt es oft rätselhafte Zeichen auf den Felsen. Vor einigen Wochen haben wir beispielsweise über das Val de Merveille, das petroglyphenreiche Tal der Wunder in den französischen Seealpen berichtet. Aber auch in den Nord- und Ostalpen sind Felsbilder häufig anzutreffen. Der Salzburger Wolfgang Kauer berichtet in einem neuen Buch über die Felsritzzeichnungen, die er in den vergangenen 15 Jahren in Bayern und Österreich entdeckt hat.

Von: Georg Bayerle

Stand: 11.11.2017

Neues Buch über Felsritzzeichnungen in den Ostalpen | Bild: BR; Georg Bayerle

Seitab aller Wege streifen wir durch den herbstfeuchten Bergwald auf der knapp 1500 Meter hochgelegenen Kallbrunnalm zwischen dem Saalachtale bei Lofer und dem Hintertal in der Ramsau.

Im Nebelwald

Etwas mühsam krabbeln wir zu der vor Regen und Wind geschützten Unterseite eines Felsbrockens im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet. Das aus geometrischen Ritzungen aufgebaute Muster im Felsen deutet Wolfgang Kauer als „Weltbild“. Mehrere Zacken strahlen von der Oberseite der Figur aus. Seit 15 Jahren erforscht der 60jährige Gymnasiallehrer die rätselhaften Hinterlassenschaften an den Felsen. Eine netzartig geometrisch aufgebaute Figur interpretiert Wolfgang Kauer als Erdmutter. Daneben sieht er ein einzelnes Zeichen für eine Seele auf einem großen Felsen. Allein das Wiederfinden der Fundstellen ist knifflig.

Der Felszeichenforscher Wolfgang Kauer

So genannte „Seelenstraßen“ hat der Salzburger Amateurforscher an vielen Stellen in den Nordalpen entdeckt. Erstaunlich fein und deutlich haben sich die in den Kalkfels geritzten Zeichen erhalten, die vor rund 3000 Jahren entstanden sein sollen. Eine gesicherte Forschung gibt es zu den Felsritzzeichen nicht. Eine Sennerin hatte zunächst einen ihr bekannten Tierarzt auf die eigentümlichen Muster auf der Kallbrunnalm aufmerksam gemacht. Neben diesen bekannten Felsbildern hat Wolfgang Kauer eine ganze Reihe weitere entdeckt. Er hat wissenschaftlich über eine keltische Kanne geforscht und die Stilistik der Muster mit Artefakten der Kelten, aber auch der Etrusker verglichen.

Bildtypus mit etruskischem Einfluss?

Die Menschen und mit ihnen ihre Kultur haben Spuren hinterlassen, von denen wir erstaunlich wenig wissen. Aber sie zeigen, dass jene Unbekannten aus der Vorzeit ebenso hier unterwegs waren und etwas hinterlassen wollten – etwas, das möglicherweise davon erzählt, woran sie geglaubt und wie sie die Berge und das Leben betrachtet haben.

Das Buch „Felsbilder der Ostalpen. Das Erbe der Mondfrau“ von Wolfgang Kauer ist im Verlag Anton Pustet erschienen, hat 320 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und kostet € 28,00 (ISBN: 978-3-7025-0880-7).

Die Kallbrunnalm


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