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Kino-Preview “Der Mann aus dem Eis“ Der erste Spielfilm über Ötzi

Es war am 19. September 1991, als das Nürnberger Ehepaar Erika und Helmut Simon auf ihrer Tour zur Finailspitze am Hauslabjoch auf eine mumifizierte Gestalt stießen, die der Gletscher freigegeben hatte. Wie es der Zufall wollte, kamen wenig später Reinhold Messner und Hans Kammerlander auf ihrer Südtirol-Umrundung dazu, und schnell war klar, dass es sich um keinen vermissten Bergsteiger aus dem 19. Jahrhundert, sondern um eine wesentlich ältere Person handeln musste.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 25.11.2017

Der erste Spielfilm über Ötzi | Bild: picture-alliance/dpa

Heute ist Ötzi die berühmteste und am besten erforschte Feuchtmumie der Welt. Und nach unzähligen Dokumentationen, touristischen Angeboten wie Führungen zur Ötzi-Fundstelle und Besuchen im Schnalstaler Archeopark sowie kulinarischen Kuriosa von der Ötzi-Pizza bis zum Ötzi-Eis, war es nun wohl an der Zeit, über die 5300 Jahre alte Gletschermumie erstmals auch einen Spielfilm zu drehen. Am 30. November kommt „Der Mann aus dem Eis“ in die deutschen Kinos. Rucksackradio-Hörer hatten schon zehn Tage früher die Gelegenheit bei einer Kinopreview der Bayern-2-Bergsteigerredaktion den Film zu sehen.

Ötzi-Darsteller Jürgen Vogel bei den Dreharbeiten in der Asam-Klamm

Archaisch, instinktiv, existentiell und brutal – es ist eine uns fremde Welt, in der es vor allem ums Überleben geht, um ausreichend Nahrung und Kleidung, um Wärme und Schutz vor den Naturgewalten und um die Fortpflanzung. „Der Mann aus dem Eis“ ist keine wissenschaftliche Dokumentation, sondern ein Spielfilm. Er zeigt, wie es gewesen sein könnte, sagt Angelika Fleckinger, die Leiterin des Südtiroler Archäologiemuseums in Bozen, wo Ötzi eine neue Heimat gefunden hat.

Andrea Zinnecker, Jürgen Vogel, Dr. Angelika Fleckinger, Leiterin des Südtiroler Archäologie-Museums in Bozen

Es geht um die letzten fünf Tage in Ötzis Leben. Der älteste Thriller der Welt in alpiner Natur, gedreht im Schnalstal, im Passeiertal und Pfitscher Tal – und in der Asamklamm bei Eschenlohe. Immer hat auch das Wetter mitgespielt, freut sich Regisseur Felix Randau. Oben auf dem Gletscher hat genau zum richtigen Zeitpunkt der Schneesturm eingesetzt.

Nachdem Ötzis Dorf, während er auf der Jagd ist, überfallen und seine ganze Sippe getötet wird, beginnt sein Rachefeldzug. Die Anmutung ist archaisch, die Emotionen sind modern, sagt Hauptdarsteller Jürgen Vogel. In der Rolle des Ötzi ist Jürgen Vogel ein absoluter Glücksgriff, verkörpert er doch unvergleichlich brillant die Gefühlswelt des Steinzeitjägers und Hirten, zumal der Zuschauer die Filmsprache nicht verstehen kann.

Es ist allerdings keine Fantasiesprache, sondern eine Fiktion auf wissenschaftlicher Basis der indo-europäischen Ursprache, eine Urform des Rätischen, die der Zürcher Sprachwissenschaftler Kaspar Pult entwickelt hat, streckenweise auch eine Art rituelle Lautmalerei. Umso wichtiger sind Mimik und Gestik – und manchmal reicht nur das Zucken eines Nasenflügels und man weiß, was der Mann aus dem Eis denkt und fühlt. Ganz authentisch sind Ausrüstung und Kleidung. Das Fell-Outfit, sozusagen eine atmungsaktive Thermokleidung, hat auch Jürgen Vogel begeistert. Allerdings wurden die harten Nähte mit einem Innenfutter unterlegt, um Schürfwunden zu vermeiden, schließlich hatte der echte Ötzi seine Kleidung wohl schon jahrelang an und „weich“ getragen. Nur einer hat die Kleidung nicht gepasst - der zickenden Bergziege von Jürgen Vogel.

Obwohl er sich um das Wohlwollen der äußerst zahmen Ziege redlich bemüht hat, wollte sie immer Reißaus nehmen, sobald Jürgen Vogel im Fellmantel erschien – und schon bald war der Grund klar: Ötzis Fellmantel war aus acht verschiedenen Ziegenfellen zusammengesetzt und roch somit auch nach acht verschiedenen Ziegen. Kein Wunder, dass Jürgen Vogels Ziege da irritiert war und in Panik geriet.

Keine Ziege, sondern getrocknetes Fleisch vom Alpensteinbock und Hirsch hat Ötzi kurz vor seinem Tod verzehrt. Albert Zink, der Leiter des Instituts für Mumien und den Iceman an der Europäischen Akademie in Bozen, will nun herausfinden, ob es vielleicht sogar geräuchert und somit eine Art Speck war. Der Nachweis von Röstaromen ist nach 5300 Jahren jedoch nicht so ganz einfach ...

Ötzi | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Der Ötzi - Kinopreview Alpiner Kino-Held und Mumien-Star

Er ist ohne Zweifel die berühmteste Mumie der Welt: Ötzi, der Mann aus dem Eis. Viele Rätsel, die der „Iceman“ aufgegeben hat, sind inzwischen gelöst. Ötzis Genom ist entschlüsselt und sein Körper liefert immer wieder neue Erkenntnisse. [mehr]


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