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Alpines Großereignis vor 70 Jahren Der Bergwaldbrand an der Arnspitze bei Mittenwald

Im Januar haben fahrlässige Wanderer einen Waldbrand am Jochberg ausgelöst. Noch ist das Ausmaß der Schädigung des wichtigen Schutzwalds nicht vollkommen klar. Was so ein Feuer aber anrichten kann, das zeigt ein anderes Beispiel: Vor 70 Jahren, im September 1947, stand die Arnspitze über Mittenwald in Flammen.

Von: Georg Bayerle

Stand: 02.09.2017

Zweieinhalb Monate hat der Brand gedauert, der Ascheregen ging über dem Ort nieder, wochenlang hatten die Bewohner Angst, dass das von warmen Südwinden angefachte Feuer auf Mittenwald übergreifen könnte.

Pumpen werden auf den Berg geschleppt

Über 12000 Meter Schlauchleitungen haben die Feuerwehren, die bis aus Augsburg und Regensburg kamen, am Berg verlegt. 50 Pumpen wurden zu den Brandherden hochgeschleppt. Am Ende hat nur der erste Schnee im November das Feuer wirklich erstickt. Zurück blieb ein kahler, verwüsteter Bergrücken. Noch heute sind die Spuren sichtbar, doch es hat sich stellenweise auch neuer Wald gebildet, wie ein Streifzug über den Berg mit dem Revierjäger Hans Reiser zeigt.

Holzkohle im Boden

Gut 800 Höhenmeter über dem Isartal führt ein Gamswechsel in die steile Schuttflanke der knapp 2200 Meter hohen Arnspitze. Hans Reiser kennt das Gelände wie seine Westentasche. Er ist hier seit über 30 Jahren Revierjäger. Auch siebzig Jahre nach  dem gewaltigen Bergwaldbrand stoßen wir auf schlacke-artige Aschereste und verkohlte Holzstücke im Boden. Weite Teile des Berghangs liegen nackt da oder unter Geröll. Im trockenen September 1947 hatte sich das Feuer mehr als einen halben Meter tief in den Boden gefressen. Feuerwehren aus halb Bayern bemühten sich mit der nach dem Krieg spärlichen Ausrüstung und zusammen mit zahlreichen freiwilligen Helfern darum, den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Bis heute weiß man nicht, wie und wodurch er ausgelöst wurde. Am Ende war die Südostflanke kahl, eine Wüste aus Asche und Fels und nur der erste Schnee im November brachte das Feuer zum Erlöschen.

Nach dem Brand verkarstete Fläche

70 Jahre später hat sich der Bergwald Stück für Stück des Geländes zurückerobert. In kleinen Senken und auf Buckeln in der steilen Flanke sind erste Bauminseln entstanden, teilweise auch gezielt direkt nach dem Brand angepflanzt worden, um die Erosion zu stoppen. Wie in einem Zwergengarten gruppieren sich an manchen Stellen bonsaiartige Nadelbäume nebeneinander und krallen sich auf dem steilen und felsigen Untergrund fest, auf dem sie wachsen. Das geht oben am Berg wesentlich langsamer als unten im Tal, aber in der Felsflanke aus Baumgruppen und Felswüste stoßen wir auch auf jene Keimzellen, wo das Forstamt unmittelbar nach dem Brand neue Bäume gepflanzt hat. Von diesen Waldinseln aus hat die Vegetation allmählich wieder Fuß gefasst. Nach 70 Jahren ist mehr als die Hälfte der rund drei Quadratkilometer großen Brandstelle wieder bewachsen. Revierjäger Hans Reiser bilanziert, dass ansonsten Geröll und Lawinen das Tal gefährden würden. Genau das lässt sich gegenüber auf der Tiroler Seite beobachten, wo vom kahlen Berghang immer wieder Lawinen die B 2 und die Mittenwaldbahn bedrohen.

Der Gipfel der Arnspitze

Der Streifzug an der Arnspitze nach 70 Jahren zeigt die langsame aber beharrliche Widerstandskraft der Natur. Er zeigt aber auch, wie massiv die Wunden sind, die durch ein Feuer im Bergwald geschlagen werden und wie langsam sie verheilen. Einen Film über diesen Streifzug zeigt das BR-Fernsehen heute am 2. September um 17.45 Uhr in der Sendung „Zwischen Spessart und Karwendel“.

Die Arnspitze


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