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Podiumsdiskussion über Hütten-Neubauten Zeitgemäße Architektur zwischen Komfort und Kargheit

Alubox, Holzhütte, Luxus-Lodge oder Hüttenhotel? Wie die „Hütten der Zukunft“ in den Alpen ausschauen sollen, damit hat sich eine Podiumsdiskussion im Alpinen Museum in München befasst, und zwar im Rahmen der Sonderausstellung „Hoch hinaus. Wege und Hütten in den Alpen“.

Von: Barbara Weiß

Stand: 18.05.2017

Höllentalangerhütte | Bild: BR/Angela Braun

Luxus-Sanierung zum Hütten-Hotel oder spartanische Ausstattung als einfache Bergsteigerunterkunft – zwischen diesen Extremen muss die zeitgemäße Architektur ihren Platz finden. Umstrittene Neubauten gibt es genug, auch wenn sie umweltgerecht sind.

Die neue Monte-Rosa-Hütte in der Schweiz, die 2010 auf knapp 3000 Metern Höhe mit Blick auf das Matterhorn eröffnet wurde, ist ein Holzbau mit Aluminium-Hülle, mit Photovoltaikanlage und nachhaltiger Energienutzung –  eine rundum moderne Berghütte. Neben ökologischen Aspekten war Architekt Daniel Ladner beim Konzipieren der Hütte besonders wichtig, dass der Bau in einen Dialog mit der Landschaft tritt und eine Geschichte erzählt. Nicht der Architekt soll die Geschichte erzählen, sondern das Gebäude selbst, damit es eine Sinnhaftigkeit bekommt. Das ist bei der Monte-Rosa-Hütte gelungen. Eine Umfrage im Alpinen Museum – unter den fast ausschließlich jungen Besuchern bei der Podiumsdiskussion – ergibt, dass fast allen die neue Monte-Rosa-Hütte gefällt.

Moderne Hütte: das Waltenberger Haus 2016

Ganz so eindeutig fällt das Votum beim Waltenberger Haus in den Allgäuer Alpen nicht aus. Das Waltenberger Haus ist der jüngste Neubau des DAV und wird im Juni 2017 eröffnet. Jede Generation habe das Recht, neue, zeitgemäße Ideen beim Hüttenbau umzusetzen, und zwar nicht nur unter ökologischen Aspekten, meint Bernhard Tschofen, Kulturwissenschaftler aus der Schweiz.  Doch nicht immer ist ein Neubau die richtige Lösung, denn in den Alpenvereinshütten zeigt sich ein ganz einmaliges kulturelles Erbe. Es geht nicht nur um Denkmalschutz, sondern auch  um die historische Berg- und Begegnungskultur, die erhaltenswert und auch überlieferungswürdig ist.

Etwas mehr Komfort als früher bietet das Lager in der neuen Höllentalangerhütte

Zukunft bedeutet somit auch Altes erhalten, betont der Innsbrucker Architekt Klaus Mathoy, der vor kurzem die Clara-Hütte ausgebaut hat. Gerne hätte er auch hier das Material mit Pferden hochgebracht, so wie früher, um den Tieren im Nationalpark Hohe Tauern den Hubschrauberlärm zu ersparen. Doch der Hubschrauber war billiger. Dafür konnte Klaus Mathoy aber die alte DAV-Tradition wiederbeleben, dass beim Hüttenbau alle mitanpacken und helfen. Und was braucht es noch? WLAN, warme Dusche,  Schnarcherzimmer, Hotelbetten? Erklärtes Ziel von Klaus Mathoy ist, dass eine Hütte auch Hütte bleibt. Es braucht keine 20 Gerichte auf der Speisekarte und nicht unbedingt Internet - Entspannung ist wichtiger. Man muss wegkommen von der Nostalgie,  zumal eine Hütte auch funktionieren muss.

Alte Kacheln am neuen Ofen in der neuen Höllentalangerhütte

Letztendlich entscheiden die Alpenvereinsmitglieder, wie die Hütten in Zukunft aussehen werden, meint DAV-Vizepräsident Roland Stierle, denn fast 70 Prozent der Baukosten leisten die einzelnen Sektionen selbst. Was die Bergsteiger in der Zukunft wollen, ist immer ein Wechselspiel von Angebot und Nachfrage. Stierle hofft, dass zum Beispiel E-Bike-Stationen nur dort installiert werden, wo man den Strom problemlos erzeugen kann. WLAN auf der gesamten Hütte braucht es auch nicht, aber Hotspots sind durchaus sinnvoll. Architektur, Lage, Ausstattung - all das ist den Bergsteigern wichtig. Ob sie aber auch in Zukunft in einer Hütte einkehren, das hängt ganz entscheidend davon ab, wie der Hüttenwirt seine Arbeit macht, resümiert der Bergfotograf Marco Volken. Seiner Ansicht nach sind die meisten Hütten überflüssig, weshalb es schon einen speziellen Grund braucht um einzukehren – eine wirklich tolle Lage oder sympathische Stimmung.

Das Alpine Museum bietet zum Thema „Hütten der Zukunft“ auch Führungen vor Ort an, am 10. Juli um 13 Uhr zum Beispiel durch das gerade erst fertiggestellte Waltenberger Haus in den Allgäuer Alpen, den jüngsten Neubau des Deutschen Alpenvereins. Auch in den Ötztaler und Berchtesgadener Alpen, im Lechquellengebirge, im Verwall gibt es im Rahmen der Ausstellung „Hoch hinaus! Wege und Hütten in den Alpen“ ein vielfältiges Vortrags- und Ausstellungsprogramm. Mehr Informationen dazu finden sich im Internet auf der Seite des Alpinen Museums.


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