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Anspruchsvolle Kletterroute durch die Westwand der Zugspitze Wo Eisen & Zeit auf Deutschlands höchsten Berg leiten

Die Zugspitze, so glaubt man, ist von allen Seiten bestens erschlossen und viel begangenen. Aber das ist ein Irrtum: Wer in die abschreckenden Felswände schaut, der kann Spuren von eisernen Aufbauten und Fenstern im Fels entdecken. Bergführer aus dem Werdenfelser Land sind diesen Spuren gefolgt, haben dabei eine neue Kletterroute auf Deutschlands höchsten Berg gefunden und mit einem passenden Namen versehen: „Eisenzeit“

Von: Georg Bayerle

Stand: 25.08.2017

Neue Kletterroute durch die Westwand  | Bild: BR; Georg Bayerle

Mitten durch die von unten unzugänglich wirkende Felswand weist Michael Gebhardt den Weg zum Tunnelfenster 4. Dort oben, mit gut 600 Metern Luft unter den Füßen, haben 1928 Bauarbeiter den Tunnel für die Zahnradbahn mit Hilfe von automatisch betriebenen Schüttelrutschen durch den Fels getrieben, sagt Rainer Weber, Betriebsleiter der Zugspitzbahn. Gearbeitet wurde immer talwärts, nie bergwärts.

Ehemals Kantine und Schlafraum am Tunnelfenster 4

Ohne Ortskenntnis ist der Steig, der damals in die Felsen gesprengt und für die Arbeiter versichert wurde, kaum zu finden. Seit dem Ende der Bauarbeiten im Jahr 1930 lag hier alles im Dornröschenschlaf, bis die Route vom Bergführer Michael Gebhardt wiederentdeckt wurde. Der Zustieg zum Tunnelfenster 4 ist recht ausgesetzt, vor allem die Querung hinein ins Bayerische Kar, in dem immer  noch das Ofenrohr einer damaligen kleinen Hütte für die Arbeiter liegt.

Eine Seilbahnstütze aus dem Jahr 1928

Anhand der im Fels sichtbaren Löcher und Kavernen ist spürbar, wie hier gearbeitet wurde. Die entsprechende Vermessungstechnik war ein Produkt des Ersten Weltkriegs und wurde hier erstmals in eine senkrechte Wand übertragen. Wir erforschen einen Ausschnitt aus der allerersten technischen Erschließungsgeschichte von Deutschlands höchstem Berg. Nach den Tunnel-fenstern auf 2400 Metern hören die Erschließungsspuren auf. Einige Kletterstellen erreichen den IV. Schwierigkeitsgrad, wie der brüchige Einstieg in einen Riss. Franz Perchtold und den anderen Bergführerkollegen merkt man die Begeisterung an, nicht nur wegen der historischen Spuren. Schließlich kommt es in unseren Bergen nicht mehr oft vor, dass in alpinistischer Reinkultur neue Routen gesucht werden und dann noch an der Zugspitze. Der oberste Wandteil scheint schwer zu überwinden. Aber die „Eisenzeit“ überlistet den teils brüchigen, abstoßenden Felsaufbau

Die Kletterei führt quer durch die Westwand

Nach einer Abseilstelle von der Riffelwand folgt der Schlussanstieg dem Höllentalsteig. Nach gut 1200 Höhenmetern Kletterei und Aufstieg ist es Hansjörg Barth, der alteingesessene Hüttenwirt vom Münchner Haus auf dem Gipfel, der den ersten Kommentar abgibt zu dieser besonderen Begehung: „Respekt!“ Er sieht in der Route eine Attraktion für wirklich gute Kletterer. Wer hätte das gedacht, dass Deutschlands höchster Berg noch einmal um eine besondere Aufstiegsroute reicher werden würde.

Zuletzt noch der wichtige Hinweis: Die Route ist KEIN Klettersteig!

Das letzte Stück folgt dem Höllentalsteig

Dort, wo sich alte Sicherungen aus dem Jahr 1928 befinden, sind diese wackelig und unbrauchbar. Auch wegen der schwierigen Routenfindung ist die Begehung nur mit Bergführer anzuraten.

Die Zugspitze


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