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Quo climbis Klettern am Galenstock

Mit 3586 Meter Höhe ist der Galenstock in der Schweiz zwar relativ weit entfernt von der ‚magischen’ 4000er Marke. Er liegt aber so alleinstehend und markant in der Landschaft, dass er den hohen Alpengipfeln nicht nachsteht. Mit seiner ästhetischen Firnhaube thront der Gipfel am Eingang zum Wallis über dem Rhonegletscher. Die eindrucksvollste Tour führt einmal über den gesamten Berg.

Von: Georg Bayerle

Stand: 12.05.2017

Klettern am Galenstock | Bild: BR; Georg Bayerle

Auch wenn die Albert-Heim-Hütte erst Anfang Juni öffnet, geht es schon lebhaft zu. Sie liegt auf einem Buckel inmitten einer grandiosen Granitlandschaft. Zwei Stunden dauert der Aufstieg von der Furka-Pass-Straße zur Hütte und ist allein schon eine Tour wert. So urwüchsig und imposant zugleich, noch dazu mit geradezu magischen Flecken zwischen rauschenden Gletscherbächen, findet man nur wenige Gegenden in den Alpen.

Tagesanbruch auf 3000 Meter Höhe

Frühmorgens beginnt der lange Aufstieg. Die Morgenstunde des ersten Lichts zählt zu den intensivsten Momenten einer Hochtour, wenn sich allmählich Bergkette um Bergkette aus dem Dunst abhebt. Das bizarre Profil der Granitkämme gibt dem Bild ein besonders wildes Aussehe. Der Tiefengletscher, über den das erste Wegstück verläuft, ist noch gefroren. Bergführer Peter Gschwendter stammt aus Going am Wilden Kaiser, ist aber seit knapp drei Jahrzehnten im Wallis zuhause und spricht inzwischen reinstes Schwyzerdütsch.

Anregende Granitkletterei am Südostgrat

Was dann kommt, ist schon geographisch einmalig: Aus einer dicken Gletscher-schwarte steigt messerscharf der blanke Südostgrat des Galenstocks auf und verspricht eine stundenlange Kantenkletterei. Der Tiefblick fluchtet auf den Gletscher, die Gratschneide ist schmal, der Ausblick großartig. Vom firnbedeckten Gipfeldach des Galenstocks schweift der Blick auf Viertausender-Ketten, zum Matterhorn im Wallis und zum Finsteraarhorn und Mönch im Berner Oberland.

Rückweg über den Gletscher

Der Abstieg führt über die abgedachte Südseite auf dem Normalweg hinunter auf den Rhonegletscher, einen der größten Alpengletscher. Wirkt er im hinteren Abschnitt noch mächtig und monumental, so zeigt der Weg zur Gletscherzunge immer mehr, wie das vermeintlich ewige Eis in Auflösung begriffen ist. David Volken vom Schweizer Bundesamt für Umwelt dokumentiert den dramatischen Schwund der Gletscherzunge. Jedes Jahr vergrößert das Schmelzwasser den See und verleiht der Touristenattraktion, die seit mehr als 130 Jahren zu den spektakulärsten der Alpen zählt, eine ganz neue Dramatik. Die Faszination, die das Hochgebirge ausübt, ist spürbar, auch für die, die einfach nur da stehen und schauen.

Die Galenstock-Überschreitung ist auch Thema in Bergauf-Bergab, morgen Abend um 18.45 Uhr im BR Fernsehen.

Der Galenstock


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