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Der Eisvogelsteig im Bayerischen Wald Cooler Unterwasser-Klettersteig in der Chamb

Alpine Klettersteige sind im Sommer oft eine heiße Sache, wenn die Sonne sticht und die Felsen die Wärme reflektieren. Eine äußerst erfrischende Angelegenheit ist dagegen der Unterwasser-Klettersteig des Landesbunds für Vogelschutz, der – einmalig in Deutschland – vor genau zehn Jahren am Flüsschen Chamb zwischen Nößwartling und Arnschwang im Oberpfälzer Wald eingerichtet wurde.

Von: Christoph Thoma

Stand: 12.08.2017

Cooler Unterwasser-Klettersteig in der Chamb | Bild: BR; Christoph Thoma

Viele Gäste kommen auf dem Chambtal-Radweg von Cham nach Furth im Wald an Nößwartling vorbei, andere steigen in Arnschwang aus dem Zug und wandern die halbe Stunde zur Umweltstation des Landesbunds für Vogelschutz. Ein besonderes Highlight im LBV-Zentrum Mensch und Natur ist der „Eisvogelsteig“.

Dicht bewachsene Ufer

Auf einem vorgegebenen Weg wandert man sicher im Fluss Chamb. Wie bei einem Klettersteig im Hochgebirge folgt man gefahrlos dem Verlauf des Kabelwegs durch den Fluss, kommt an Sandbänken vorbei, durchquert Gumpen und Strudel. Zu dieser coolen Exkursion in Sachen Natur- und Artenschutz braucht es ein handelsübliches Klettersteigset und Wathosen - beides wird vor Ort gestellt. Das LBV-Mitarbeiterteam rüstet die Gäste, die auch unangemeldet kommen können, auch noch mit einem Audio-Guide für diese abenteuerliche Unternehmung aus. Es ist ein heißer Sommertag, alle freuen sich auf die Exkursion: Schuhe aus, Reißverschlüsse zu und rein in die quietschende Gummihaut.

Eine kleine Mutprobe ist es auch

Es ist ein komisches Gefühl, von der Leiter in den Fluss zu steigen, sofort bis zur Hüfte im Kühlen zu stehen und den Druck der Strömung zu spüren. Das Drahtseil ist straff gespannt, der Audioguide hängt um den Hals. Eine dritte Hand zum Festhalten würde man sich trotzdem wünschen, beim Überklettern glitschiger Steinbrocken, die sich am Flussgrund mit den Zehen nur ertasten lassen. Markus Schmiedberger, der Geschäftsführer des LBV, führt Gruppen gerne in einen kellerartigen Schacht. Im Hintergrund schaufelt rhythmisch ein altes Wasserrad. Eine Turbine erzeugt regenerative Energie, und in dem dunklen Seitengang, in dem meist brusthoch das Wasser steht, fühlen sich auch seltene Wasserfledermäuse wohl.

Tierfiguren markieren die Stationen im Fluss

Die Chamb ist mit 51 Kilometern der längste und wasserreichste Nebenfluss des Regen. Sie entspringt bei Vitovky im Böhmerwald und ist durchwegs ein Biotop: Es gibt Teichmuscheln und Wasserläufer, Eisvögel brüten an den Pralluferwänden der Chamb. Auch Heckenbraunelle oder Gebirgsstelze sind am Fluss zuhause. Eine Bewohnerin der Chamb ist auch die bis zu zwei Meter lange Ringelnatter - Adrenalin pur für Kinder und auch manche Erwachsene, doch von Gefahr keine Spur, denn Ringelnattern sind ungiftig und meiden den Menschen. Sie können sehr gut schwimmen und auch tauchen. Zur Lebensgemeinschaft an und in der Chamb gehören des weiteren auch Pirol, Biber, Waller und Prachtlibellen, die auf der Roten Liste stehen.

Spalte im Fels sind Brutplätze

Am Wendepunkt – gleich neben einer Fischtreppe - werden wieder die Karabiner umgehängt. Jetzt bewegt man sich schon ganz sicher im Fluss, der im Gegenlicht wie flüssiges Silber glitzert. Beim Rückweg drückt der Fluss von hinten gegen die Unterschenkel. Der Blick fällt auf einen Biberbau im Auwald-Dickicht der Drahtinsel. Jungfische wurlen um die Gummistiefel. Beim Ausstieg nach einer knappen Stunde kommen uns Kinder des Benedikt-Stadler-Gymnasiums Bad Kötzting mit Lehrerin Jasmin Kellermeier entgegen. Die Schule arbeitet eng mit der Umweltstation des LBV zusammen, zwei Projekte pro Jahr sind mindestens nötig, um den Status einer „Europäischen Umweltschule“ zu behalten.

Die Wathosen

Der Landesbund für Vogelschutz setzt sich als bayerischer Naturschutzverband für die Vielfalt der heimischen Pflanzen- und Tierwelt ein und bietet deshalb in seinen Umweltstationen die Möglichkeit, Natur hautnah und mit allen Sinnen zu erleben. Dringend gesucht sind junge oder auch ältere Menschen, die sich im Rahmen des Bundesfreiwilligen-Dienstes bereit erklären, für eine bestimmte Zeit beim LBV mitzuarbeiten. Es ist eine absolut erfüllende Aufgabe, Kinder und Erwachsene auf dem Eisvogelsteig bei Nößwartling in die Wunderwelt eines Flusses zu führen. Markus Schmiedberger freut sich über jede Anfrage unter cham@lbv.de

Der Eintritt in die Umweltstation kostet 5 Euro, geöffnet ist sie während der bayerischen Schulferien Montag bis Freitag von 9.00 – 16.00 Uhr, danach noch bis Ende September von 12.00-16.00 Uhr.

Der Eisvogelsteig


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