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Die Arnspitz-Überschreitung Hochalpiner Klassiker in den Bayerischen Alpen

Wer zwischen Mittenwald, Scharnitz und Seefeld unterwegs ist, dem fällt zwangsläufig ein freistehender Felskamm auf, der völlig abgetrennt zwischen Wetterstein und Karwendel steht: Es sind die Arnspitzen.

Von: Georg Bayerle

Stand: 01.07.2017

Hochalpiner Klassiker in den Bayerischen Alpen | Bild: BR; Georg Bayerle

Schon allein wegen ihrer freistehenden Lage gilt die Arnspitzgruppe an der Grenze von Bayern zu Tirol als besonderes Ziel, erst recht, wenn gleich der ganze Grat überschritten wird. Die Arnspitz-Überschreitung ist eine klassische hochalpine Tour in den Bayerischen Alpen.

Der Jäger ist unterwegs

Lange alpine Wege und keine Hütteneinkehr – vor allem unter der Woche ist hier nicht viel los. Der erste aber, der heute von hinten mit schnellem Schritt aufschließt, ist dafür gleich der beste Kenner des Gebiets: Berufsjäger Hans Reiser, der ein paar Salzsteine im Gelände verteilen wird, zuvor aber noch schnell ans Handy gehen muss. Denn ein paar Zugeständnisse ans moderne Leben muss selbst Hans Reiser machen.

Die schnuckelige Biwakhütte

Gerade haben wir den Riedbergsattel hinter uns gelassen, wo der Weg aus Mittenwald mit dem Steig aus der Leutasch zusammentrifft und nun wie ein Panorama-Höhenweg über den Berg führt. Zunächst geht es über die Achterköpfe, dann rückt die Große Arnspitze in den Blick. Der Turnverein aus der Leutasch hat auch noch Bänke aufgestellt, als ob hier nicht eh schon jeder Buckel zum Verweilen einlädt. Was an so einem zufälligen Ruheplatz passiert, das bringt der Reiser Hans so wunderschön auf den Punkt, dass klar wird, warum ihm „seine Berge“ nie langweilig werden: Obwohl die Umgebung vertraut ist, lädt sie immer wieder zum Schauen und Staunen ein.

Letzte Schlüsselstelle vor dem Gipfel der Arnplattenspitze

Nachdem sich der Jäger in sein Revier verabschiedet hat, folgt nun eine lange Querung über den nackten Bergrücken, der von der Bundesstraße unten bei Scharnitz immer so merkwürdig ins Auge fällt: Ein wochenlanges Feuer hat einst den ganzen Hang kahlgefressen. Dann führt der Steig an der kleinen Hütte vorbei eine Schrofenrinne hinauf. Handverlesen sind die Bergsteiger, die einem hier begegnen, und exklusiv ist der Ausblick von der 2200 Meter hohen Großen Arnspitze. Der Blick schweift weit über die Karwendelketten, hinaus bis zum 100 Kilometer entfernten München und zum Alpenhauptkamm im Süden.

Blick über die Leutasch zum Wetterstein; links der Arnspitzgrat

Dieses Panorama kann man lange genießen und wieder absteigen oder aber den weglosen und zackigen Abschnitt einer Überschreitung der Arnspitzen anhängen. Steigspuren leiten über den teils mit Latschen überwucherten, teils schmalen Grat. Es sind zwei urwüchsige, alpine Stunden, die volle Aufmerksamkeit erfordern, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sowieso. In jedem Fall verspricht diese luftige Tour auf dem freistehenden Bergkamm zwischen Wetterstein und Karwendel höchsten Berggenuss mit abschließender Klettereinlage auf den Gipfel der Arnplattenspitze. Von dort führt wieder ein markierter Weg hinab, allerdings über zwei gar nicht so harmlose kleine Wände. Bis nach langem Abstieg am andern Ende die Leutasch erreicht ist, vergehen seit dem Morgen gut und gern zehn Stunden – Stunden, die lange in der Erinnerung nachhallen, erfüllt von der Atmosphäre des wilden, hochalpinen Bayern.

Die Arnspitzen


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