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Säumer, Salzhändler und Eiskletterer Das Matreier Tauernhaus und seine Wasserfälle

Das Matreier Tauernhaus liegt in Osttirol, unmittelbar hinter der Mautstelle zum Felbertauerntunnel. Das Gasthaus auf 1512 Metern Höhe kann auf eine über 800 Jahre alte Geschichte zurückblicken. 1207 wurde das Gebäude zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Von: Frauke Gerbig

Stand: 28.01.2017

Das Matreier Tauernhaus und seine Wasserfälle | Bild: BR; Frauke Gerbig

Der Grund für den Bau des Matreier Tauernhauses war, dass der Erzbischof von Salzburg sichere Handelswege über die Alpen benötigte, um Salz, das “weiße Gold“, Richtung Süden zu schaffen. Nachdem acht solcher Übergänge gefunden worden waren, ließ der Erzbischof Hospize bauen, in denen die Händler übernachten und Schutz vor der Witterung auf ihrer Handelsreise finden konnten, darunter auch das Matreier Tauernhaus.

Das Tauernhaus

Die Hospize waren ganz einfache Häuser, in denen die Reisenden auf Strohsäcken übernachteten und etwas zu Essen und Trinken bekamen. Der Erzbischof setzte einen Wirt ein und entlohnte ihn. Dessen Aufgabe war es, die Händler so gut wie möglich auf ihrer Reise zu unterstützen, die Übergänge intakt zu halten und bei Wettereinbrüchen, Nebel oder Naturkatastrophen Hilfe anzubieten. Die Händler, die den Handel über den Tauern betrieben haben, wurden Säumer genannt. Ein Saum war die Traglast, die ein Pferd getragen hat. Gesäumt, also Handel getrieben, wurde vor allem im Herbst, wenn die Bauern mit der Ernte fertig waren und Zeit für einen Nebenerwerb hatten. Die Bauern handelten vor allem mit Häuten, Leinwand, Vieh, Decken und Teppichen.

Historisches Tauernhaus

Nachdem sich im 20. Jahrhundert der Handel auf Straßen, Schienen und Schiffswege verlagerte, verloren die Tauernhäuser ihre Bedeutung. Einige Hospize schafften den Übergang in die Moderne, wurden alpine Gasthöfe und Unterkünfte, in denen nun der Tourismus die Hauptrolle spielt. Das Matreier Tauernhaus ist diesen Weg konsequent gegangen. Die Gäste, die ab den 1930er-Jahren hierher kamen, suchten und fanden Ruhe und Bewegung in der unberührten Natur. Über sechs Generationen befindet sich nun das Haus im Besitz der Familie Brugger. Im Winter kommen vor allem Skitourengeher, Langläufer und Eiskletterer ins Matreier Tauernhaus.

Mehr Informationen gibt es unter www.matreier-tauernhaus.com sowie in einem spannenden Buch: Rainer Pollack, Alexander und Otto Brugger: "Der Felbertauern und das Matreier Tauernhaus"

Autorin Frauke Gerbig vor dem Tauernhaus

Ganz in der Nähe des Matreier Tauernhauses kommen auch Eiskletterer auf ihre Kosten. Sind Wasserfälle schon im Sommer ein besonderes Naturschauspiel, ziehen uns gefrorene Wasserfälle im Winter noch mehr in den Bann. Kein Wunder, dass Kletterer diese bizarren Gebilde besteigen wollen. Durch die hochgelegenen schattigen Hanglagen an der Südseite des Alpenhauptkammes gefrieren sie in Osttirol besonders früh und sind nicht ziemlich resistent gegenüber Föhnlagen.

Der künstlich angelegt Eispark ist unweit des Matreier Tauernhauses angelegt - mit den unterschiedlichsten Routen und Schwierigkeitsgraden

Unweit des Matreier Tauernhauses befindet sich in einer Klamm ein zugefrorener Wasserfall im mäßig steilen Gelände, etwa 15 bis 20 Meter hoch und zu Fuß in etwa zehn Minuten zu erreichen. Ebenfalls nicht weit weg vom Matereier Tauernhaus befindet sich seit letztem Winter Österreichs größter künstlicher Eispark mit unzähligen Routen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad. Ausrüstung und Informationen erhält man im Matreier Tauernhaus, wo auch Eiskletterkurse bei Bergführern gebucht werden können.

Viele Eiskletterer kommen aus der Felskletterei und sehen das Eisklettern als spannende Alternative für die Winterzeit. Vom Bewegungsablauf ähnelt Eisklettern mit der Dreipunkttechnik dem normalen Klettern. Beim Eisklettern kommen allerdings Eispickel und Steigeisen hinzu, außerdem Eisschrauben und anderes spezielles Equipment.

Steve House beim Klettern am Wasserfall

Eis ist nicht gleich Eis: Es verändert sich je nach Temperatur, Tageszeit, Luftdruck und Niederschlag. Insofern ist die Situation an einem gefrorenen Wasserfall jeden Tag und auch zu unterschiedlichen Tageszeiten neu zu bewerten. Die größte Gefahr beim Eisklettern sind Eisbrüche, Eisschlag und Lawinen.

Da man sich beim Eisklettern immer in sehr schattiger Umgebung aufhält und sich beim Sichern des Seilpartners nicht bewegt, sollte man sich sehr warm, am besten in mehreren Schichten anziehen. Weiterführende Informationen zum Eisklettern gibt es unter www.osttirol.com sowie unter www.bergfuehrer-kals.at/eispark-osttirol

Das Matreier Tauernhaus


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