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Der Überhang in der Zmuttnase Erstbegehung von Alexander Huber in der Matterhorn-Nordwand

Die Erfolge bayerischer Kletterer in der Matterhorn-Nordwand haben Tradition. Angefangen von 1931, als die Brüder Franz und Toni Schmid die Wand erstmals durchstiegen haben, bis heute: Am 15./16. März 2017 hat Alexander Huber den Überhang in der Zmuttnase zum ersten Mal durchstiegen.

Von: Ernst Vogt

Stand: 08.04.2017

Erstbegehung von Alexander Huber in der Matterhorn-Nordwand | Bild: Thomas Senf

Eine Wand für die Besten

Die Matterhorn-Nordwand zählte in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu den „letzten drei Kletterproblemen der Alpen“; zusammen mit der Eiger-Nordwand und der Nordwand der Grandes Jorasses. Für die Erstdurchsteigung der 1200 Meter hohen Matterhorn-Nordwand erhielten die Schmid-Brüder bei den Olympischen Spielen 1932 den „Prix olympique d’alpinisme“. In der Folgezeit haben sich die besten Alpinisten der jeweiligen Epochen in der Wand „verewigt“, u.a. Walter Bonatti, der 1965 eine neue Führe fand.

Spontaner Entschluss

Auch Alexander Huber aus dem Berchtesgadener Land war bereits vor zwanzig Jahren in der Matterhorn-Nordwand unterwegs. Die direkte Zmuttnase hatte ihn schon damals gereizt. Er wollte den Überhang im Alleingang klettern. „Ich bin dann nicht einmal eingestiegen“, erzählt er im Rucksackradio-Gespräch, „auch aus dem Respekt, den diese Wand auslöst und mit dem Wissen, dass ich damals kaum eine Chance gehabt hätte.“ So war der Traum initiiert – und jetzt ist er für den Jüngeren der Huberbuam wahr geworden. In diesem Jahr entschied er ziemlich spontan, zusammen mit dem Schweizer Dani Arnold den 25 Meter auskragenden Überhang erneut anzugehen. Es gelang mit einem Biwak.

Die Daiserstraße in München verbindet

Die Leistung von Franz und Toni Schmid 1931 bezeichnet Alexander Huber als „historischen Moment“. Ihnen gelang damit die erste der drei großen Nordwände der Alpen. Alexander Huber fühlt sich den Schmid-Brüdern emotional verbunden. „Ich bin während des Studiums immer durch die Daiserstraße in München geradelt“, erzählt er. Dort haben die Schmid-Brüder gewohnt und von dort sind sie mit dem Fahrrad zu ihrer historischen Klettertour aufgebrochen.

Alexander Huber erzählt im Rucksackradio über die Erstbesteigung

Dach in der Nordwand-Atmosphäre eines Viertausenders

Alexander Huber hat sich einen besonderen Teil der Matterhorn-Nordwand ausgesucht: die Zmuttnase, den überhängenden Bereich, immer noch „terra incognita“, also von niemandem begangen. Seine Route weicht von der bekannten Route des italienischen Alpinisten Alessandro Gogna ab, die einer Verschneidung am Rande der Zmuttnase gefolgt ist. Der Überhang sei durchaus vergleichbar mit dem großen Dach an der westlichen Zinne, nur „mit einer ganz anderen Exponiertheit, in der Nordwand-Atmosphäre eines Viertausenders“. Es sei so ziemlich das abgefahrenste Gelände, das er in den Alpen kennengelernt habe, so der Profi-Alpinist. Man muss dabei das absolut extreme Klettern im Überhang genauso beherrschen wie das Klettern im kombinierten Gelände aus Fels und Eis. Bis hinauf auf den 4.478 Meter hohen Gipfel.

Unvergessliche Momente

„Wir hatten ziemlich harte Temperaturen“, erzählt Alexander Huber, „zwischen 15 und 20 Grad minus in der Nacht“. Tagsüber lagen die Temperaturen so um minus zehn Grad. Er habe noch nie etwas derart Ausgesetztes erlebt wie die Zmuttnase am Matterhorn. „Mit jedem Meter, den du in die Horizontale hinauskletterst, bekommst du mehr Exponiertheit“, berichtet der Extremkletterer. Seine Empfindungen im Überhang: „Du glaubst, gar nicht auf der Erde zu sein, weil das Gelände so unglaublich exponiert ist.“ Sein Fazit: „Das sind unvergessliche Momente“. Und genau wegen dieser Momente, an die sie sich Jahrzehnte später noch minutiös erinnern, gehen Extremkletterer wie Alexander Huber in die Berge.

Matterhorn


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