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Vulkantrekking am Villarrica in Chile Aufstieg mit Gasmaske und Rodelteller

Bis in die „Tagesschau“ hatte es der Vulkan Villarrica im Süden von Chile geschafft, als er Anfang März 2015 ausbrach. Seitdem war der 2840 Meter hohe Gipfel oberhalb der Touristenstadt Pucon für Alpinisten gesperrt. Die Vulkanologen hielten den Aufstieg für zu gefährlich. Seit Anfang 2016 darf man in Begleitung lokaler Bergführer wieder auf den vergletscherten Vulkan steigen, aber nur mit Gasmaske im Gepäck.

Von: Folkert Lenz

Stand: 28.04.2017

Vulkan-Trekking am Villarrica in Chile | Bild: BR; Folkert Lenz

Massenstart am Fuße des Villarrica: Dutzende Geländewagen und Kleinbusse spucken rund 150 Touristen am Ende einer Schotterpiste aus.

Massenandrang: Jeden Tag wollen mehr als 150 Menschen auf den Villarrica.

Die wenigsten Gipfelstürmer, die sich jetzt in Staub und Vulkanasche die Beine vertreten, sind Bergsteiger. Die meisten sind Abenteurer, die nach dem Ausbruch einen Blick in den Krater werfen wollen, der 1400 windige Höhenmeter weiter oben wartet. Osiel Aqueveque treibt seine Gäste an. Der Bergführer aus Pucon weiß, dass sie den Weg auf den qualmenden Berg sonst nicht schaffen würden, denn die Route ist lang und anstrengend. Zügig geht es über Geröll und unter Sesselliften hindurch bergauf - im Südwinter findet man hier das Skigebiet von Pucon.

Zickzack: Wettrennen der Gipfel-Aspiranten.

Der Villarrica ist ein Bilderbuch-Vulkan, ein mächtiger Klotz über der grünen Hügellandschaft Araukaniens. Gleichmäßige Flanken begrenzen seine Pyramide. Wie ein Sahnehäubchen liegt die Gletscherkappe auf dem Vulkangipfel, dessen Schlot immer wieder Rauch ausstößt. Die Firnlinie ist schnell erreicht und der Schnee in der Kühle des Morgens noch hart gefroren. Der mitgebrachte Eispickel leistet gute Dienste. Der Gletscher hat einige Spalten, allerdings weit abseits der Aufstiegsspur. Die Schneehänge steilen sich bald auf. Die größte Sorge der Bergführer ist, dass ein Stein aus den Felsrippen weiter oben die Alpinisten treffen könnte. Deswegen tragen alle einen Helm. Doch das größte Risiko geht vom Vulkan selbst aus. Unzählige Male ist er schon ausgebrochen. Osiel Aqueveque erzählt von jener Nacht, während er weiter den Berg hinaufstapft, mittlerweile mit Steigeisen an den Füßen. Seit der letzten Rast vor dem Gipfel baumelt außerdem ein weiteres Ausrüstungsstück am Nacken: eine Gasmaske, natürlich nur für den Notfall, falls irgendwo giftige Dämpfe austreten.

Atemberaubend: Die Gasmaske ist nötig, wenn es am Krater qualmt.

Der schweflige Rauch umhüllt die Bergsteiger an diesem Tag auch am Kraterrand ganz oben. So wird der Blick vom Gipfel auf die Seenplatte von Pucon und die weiteren Anden-Vulkane ringsum zu einem wirklich atem-raubenden Erlebnis. Unter heftigem Husten und Schnaufen geht es zügig abwärts, in chilenischer Manier übrigens auf dem Allerwertesten. Und genau dafür war der Rodelteller gedacht, der im Rucksack mit auf den Vulkan geschleppt wurde!  Die ungewöhnliche Rodel-Rutschpartie endet dann gut 1000 Höhenmeter tiefer.

Der Villarrica


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