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Der Schicksalberg der Deutschen Zum 60. Todestag von Nanga-Parbat-Erstbesteiger Hermann Buhl

Kaum ein anderer Berg ist so sehr mit einem bestimmten Namen verbunden wie der Nanga Parbat mit Hermann Buhl. Mit seiner dramatischen, von deutschen Expeditionen geprägten Vorgeschichte, wurde der Gipfel im westlichen Himalaya zum "Schicksalsberg der Deutschen". Mit seinem außergewöhnlichen Alleingang steht der Innsbrucker aber zugleich am Beginn der großen Einzelbergsteiger in der modernen Ära des Alpinismus. Am 27. Juni vor 60 Jahren ist Hermann Buhl bei der Erstbesteigung der Chogolisa tödlich verunglückt – ein Anlass, zurückzublicken.

Von: Georg Bayerle

Stand: 24.06.2017

Es ist wie ein Vorgeschmack auf den Empfang der Helden von Bern als Hermann Buhl, ein Jahr zuvor, im Juli 1953 in München-Riem aus dem Flugzeug steigt.

Der Bayerische Rundfunk ist live dabei beim Empfang mit Thomas Wimmer, dem Münchner Oberbürgermeister, der gleich einen Riesen-Maßkrug zur Begrüßung reicht. Hier berichtet Hermann Buhl auch erstmals von der durchwachten Nacht auf 8000 Meter Höhe, als er nach seinem 17-stündigen Gipfelgang auf einem kleinen Felsabsatz stehend nicht mehr weiterkam.

Bis heute zählt der insgesamt 41-stündige Alleingang des Innsbrucker Extrembergsteigers zu den herausragenden Leistungen im Alpinismus, auch wenn Hermann Buhl das damals noch nicht auf der Dopingliste stehende Aufputschmittel Pervitin eingenommen hatte. Günstige Bedingungen und die enorme Willenskraft des damals 28-jährigen waren am Ende entscheidend: Buhl wollte den Gipfel und was dann passierte, lag auch in den Händen des Schicksals. Die Nacht, die er überstehen musste war nach Nanga Parbat-Verhältnissen lau und erträglich.

Der Innsbrucker Hermann Buhl war noch ein Kind der „Bergvagabunden“ der Zwischenkriegszeit, jener bergsüchtigen Generation, die wild durch die Wände zog. Legendär wurde seine Solobesteigung der Piz Badile-Nordwand mit dem Fahrrad von Innsbruck aus, wo er bei der Rückkehr übermüdet in den Inn gestürzt ist.

Zur Himalaya-Vorbereitung kletterte er im Winter in Socken durch die Watzmann-Ostwand. Und als er Eugenie kennengelernt hat, seine spätere Frau in der Ramsau, legte der Marathonmann Buhl die knapp 40 Kilometer zwischen seinem damaligen Standort Saalfelden und der Ramsau auf Langlaufskiern zurück.

Es ist eine der Begebenheiten, die Kriemhild Buhl, die Tochter, in ihrem vor 10 Jahren erschienen Buch über ihren Vater schildert. In der Öffentlichkeit aber bleibt er wie kaum ein anderer Bergsteiger verbunden mit einem Berg, dem Nanga Parbat, den der Münchner Arzt und Expeditionsleiter Karl Herligkoffer 1953 zum schicksalhaften Ziel erklärte. Er ermöglichte der Truppe junger Bergsteiger überhaupt erst die monatelange Expedition, die von den Medien lebhaft begleitet wurde.

Das Ereignis wirkte wie eine alpinistische Mondlandung und ähnlich wie die Fußball-WM ein Jahr darauf wie Balsam für die Seele des traumatisierten Nachkriegsdeutschlands. Vier Jahre später ist Hermann Buhl nach seiner zweiten Achttausender-Erstbesteigung des Broad-Peak, an der Chogolisa tödlich abgestürzt, am 27. Juni vor nunmehr 60 Jahren.

Der Nanga Parbat


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