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Alexander Huber und das Scheitern am Ogre Extremkletterei am „Menschenfresser“ im Karakorum

Er gilt als einer der schwierigsten Berge der Welt: der Ogre im pakistanischen Teil des Karakorums. 7285 Meter ist er hoch. Der Name Ogre bedeutet „Menschenfresser“. Auch Alexander Huber und sein Team hatten jetzt keinen Erfolg.

Von: Ernst Vogt

Stand: 30.09.2017 | Archiv

Versuch einer Extremkletterei am „Menschenfresser“ im Karakorum | Bild: Alexander Huber

Zwei Meter tiefer Faulschnee

Steile Wände

Drei Versuche haben sie am Ogre unternommen: Alexander Huber und seine drei Expeditionskollegen Dani Arnold, Mario Walder und Christian Zenz. Doch in Gipfelnähe sind sie nicht gekommen. Das lag vor allem an den ungünstigen Verhältnissen mit sehr viel frischem Neuschnee. „Wir hatten mit zwei Meter tiefem Schnee zu tun, der sehr warm gefallen war“, erklärt der jüngere der Huberbuam. Man könne von Faulschnee reden oder von Wasser durchtränktem Schnee.

Die Folgen des Klimawandels

Alexander Huber am Ogre

Trotz der schwierigen Verhältnisse setzte der Extremkletterer aus dem Berchtesgadener Land auf Anpassung. „Wir haben gemerkt, dass die Abkühlung in der Nacht eine Schneekruste erzeugt, auf der man gehen kann“, erzählt Alexander Huber im Rucksackradio-Interview. Doch das Zeitfenster, das dabei herauskam, war äußerst knapp bemessen. Die Expeditionsmannschaft wusste, dass sie frühestens um Mitternacht starten konnte. Die Schneedecke trug bis zum Sonnenaufgang gegen 5 Uhr. Anschließend war kaum ein Vorwärtskommen möglich. „Du versinkst sofort hüfttief im Faulschnee“, erklärt Alexander Huber, „ und mit der Erwärmung kommen die Nassschneelawinen.“ Die Feststellung des erfolgreichen Extremkletterers klingt ernüchternd: „Sowas habe ich noch nicht kennen gelernt und das ist ganz klar dem Klimawandel geschuldet.“

Nur fünfstündiges Zeitfenster

Am Seil nach oben

Letztlich blieben alle Versuche erfolglos. Alexander Huber und seine drei Seilgefährten kamen gerade mal bis zum Einstieg am bisher noch unbestiegenen Ostpfeiler des Ogre. Fünf Stunden für das einigermaßen gefahrlose Aufsteigen im steilen Schneecouloir waren zu wenig, um danach an einem der schwierigsten Siebentausender der Erde eine Erstbegehung zu verwirklichen. Dabei brauchten die Expeditionsteilnehmer starke Nerven. „Es gibt nur wenige Punkte, an denen du im Schutz eines Überhanges den Tag sicher überstehen kannst“, resümiert der Extremkletterer.

„Wir haben nicht den Hauch einer Chance“

Herausforderung für die besten Alpinisten

Obendrein waren die Expeditionsteilnehmer durch das tiefe Einsinken im Wasserschnee jeweils von oben bis unten komplett durchnässt. Es hätte einen weiteren Tag gebraucht, um Kleidung und Schuhe wieder trocken zu bekommen. Als das Team beim dritten Versuch zum Einstieg gelangte, wusste Alexander Huber, was der Ogre ihm mitteilen wollte: „Wir haben nicht den Hauch einer Chance, in die Nähe des Gipfels zu kommen.“ Und so reifte bei ihm die Einsicht: „Wir müssen im Moment der Gefahr Demut gegenüber der Natur zeigen.“ Einstimmig wurde der Abbruch der Expedition beschlossen.

Der Ogre bleibt ein Traum

Die Expeditionsmannschaft

Es ist keine Schande, am Ogre zu scheitern. Nach der Erstbesteigung durch Doug Scott und Chris Boningten 1977 blieben zwanzig Expeditionsteams erfolglos, ehe 2001 die Zweitbegehung gelang – durch Thomas Huber, den älteren der Huberbuam. Die Erstbesteigung gilt in Alpinistenkreisen als eine der Sternstunden des Bergsteigens – mit dramatischem Finale: Doug Scott brach sich kurz unterhalb des Gipfels beide Beine – und trotzdem kämpfte er sich mit seinem Seilpartner in einer Woche zurück ins Basislager.

Der Gipfel des Ogre übt auf Alexander Huber nach wie vor eine ungeheure Faszination aus. Sein Fazit: „Er bleibt ein Traum und es kann gut sein, dass dieser Traum noch einmal versucht werden wird.“

Der Ogre


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