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Coole Spalten, eisige Bäche, blaues Licht Gletscherhöhlen-Wanderung am Aletsch

An heißen Sommertagen ist eine Wanderung im ewigen Eis besonders verlockend, vor allem wenn man in Gletscherhöhlen hineingehen kann. Nicht nur die Temperatur ist erfrischend, sondern vor allem das blaue Licht darin bleibt unvergesslich.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 05.08.2017

Coole Spalten, eisige Bäche und blaues Licht | Bild: BR; Ulrike Nikola

Möglich ist dies am Aletschgletscher in der Schweiz. Mit 23 Kilometern Länge und 27 Milliarden Tonnen Eis ist er der größte und mächtigste Gletscher der Alpen. Eine wunderschöne Wanderung führt durch die Zirben und Lärchen des Aletschwalds bis an den Rand des Gletschers und hinein in die Gletscherhöhlen.

Wandergruppe zum Aletschgletscher

Die Bergkulisse ist atemberaubend schön. Zu Füßen von Mönch und Jungfrau liegt der Gletscher vor uns wie ein mächtiger weißer Fluss. Das ewige Eis strahlt eine große Ruhe aus. Mit unserem Wanderführer Ed Kummerer geht es von der 2333 Meter hohen Moosfluh in Richtung Aletschgletscher Vor 13.000 Jahren war hier noch der Gletscher. Die gut sichtbare Linie auf dem Gegenhang zeigt, wo der Gletscher am Ende der kleinen Eiszeit um 1850 war. Seit 150 Jahren schmilzt der Gletscher rasant weg. Zwar gab es schon immer Gletschervorstöße und Gletscherrückzüge, doch die Geschwindigkeit, mit der heute die Gletscher schmelzen, ist beunruhigend. Derzeit verliert der Aletschgletscher jedes Jahr zwischen 30 und 60 Metern an Länge und vier bis fünf Meter an Höhe, also sehr viel Masse.

Mit Wanderführer Ed Kummerer unterwegs

Je näher wir zum Gletscher kommen, umso mehr rauscht und plätschert es. Höhlen gibt es dort, wo das Wasser unter dem Eis fließt-. Die kleinen Bäche strahlen Wärme ab und bringen das Eis zum Schmelzen. Am Gletscherrand angekommen, staunen wir über die Eiswände, die sich vor uns aufbauen und durchzogen sind von dunklen Moränen, die Sand und Steine mit sich führen. Es ist eine ganz fremde und fabelhafte Welt, die an eine gemalte Tolkien-Landschaft erinnert. Dann wagen wir die ersten Schritte auf dem Eis und laufen ehrfürchtig an einigen Spalten vorbei. Der Aletschgletscher ist immer in Bewegung und wandert 60 bis 80 Meter im Jahr, denn oben am Konkordiaplatz kommen mehrere Gletscher zusammen und drücken das Eis nach unten.

In der Eishöhle

Aus sicherer Entfernung zeigt uns Ed Kummerer von außen eine einsturzgefährdete Gletscherhöhle, die nach innen durchhängt. Man sieht auch drinnen Spalten und hört Steine rumpeln. Der erfahrene Wanderführer beobachtet die Veränderungen im Eis von Woche zu Woche und führt uns zu einer derzeit sicheren Höhle weiter unten, die wir nacheinander betreten dürfen. Durch eine unscheinbare Öffnung im Eis gehe ich hinein und mir stockt der Atem - so unbeschreiblich schön ist dieses leuchtende Türkisblau, das mich ringsherum umgibt. Überall tropft es von den glattpolierten Wänden und der Decke der Gletscherhöhle.

Aletschgletscher

Der Rückweg führt wieder durch den wunderschönen, unter Schutz gestellten Aletschwald, und da Wandern bekanntlich hungrig macht, sollte man im Wallis unbedingt eine Spezialität probieren - die Cholera, die es beispielsweise bei Michael Gschwendtner in der Bergstation Bettmerhorn gibt. Das Gericht stammt aus der Zeit der Cholera, als die Bauern abgeschottet und aus ihrem Garten leben mussten. So wurden Gerichte kreiert, in die alles kam, was im Garten gerade verfügbar war: Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren, Lauch, Äpfel und dazu würziger Bergkäse. Das schmeckt hervorragend und wärmt auch wieder auf nach der coolen Stippvisite im ewigen Eis.

Der Aletschgletscher


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