14

Das Tiroler Loch Ness Tour zu Drachenkopf und Drachensee

„Drachenkopf“ - das wäre wohl der richtige Name für einen feuerspeienden Vulkan. Doch es gibt auch einen Drachenkopf, der weder spuckt noch raucht noch grollt. Er ist 2300 Meter hoch und befindet sich in der Mieminger Kette vis-à-vis der Zugspitze und direkt über der Coburger Hütte.

Stand: 01.10.2015

Drachenkopf und Drachensee in der Mieminger Kette | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Zu Füßen der Hütte liegt der in allen Grüntönen schillernde Drachensee.

Am Seebensee

Auf einem breiten und gemütlichen Wanderweg von der Bergstation der Ehrwalder Almbahn geht es in gut zwei Stunden hinüber zur Seeben-Alm, hinauf zum malerischen Seeben-See und dann in steilen Kehren durch einen Latschenhang zur 1917 Meter hoch gelegenen Coburger Hütte. Unterwegs ist er schon zu sehen: der drachenartig gezackte Felsrücken des – nein, nicht Drachenkopfs, sondern Wamperten Schrofens. Der Drachenkopf selbst wirkt eher wie ein Kegelkopf und duckt sich hinein in das großartige Fels-Amphitheater zwischen Sonnenspitze, Grünstein und Taja-Köpfen. Der Drachenkopf ist zwar klein, ab oho, sagt Friedl Schranz aus Axams, seit 23 Jahren Wirt auf der Coburger Hütte. Der knapp eineinhalbstündige und ab der Scharte ziemlich ausgesetzte Aufstieg führt durch brüchiges, nicht markiertes Gelände, erfordert absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, lohnt aber alle Mühen. Der Rundumblick auf Sonnenspitze, Zugspitze, Taja-Köpfe, Grünstein und Wamperten Schrofen und im Westen sogar bis zu den Tannheimer Dolomiten ist grandios.

Hier geht's zum Drachenkopf

Nach dem Abstieg folgt die Einkehr auf der Coburger Hütte mit Genüssen für den Gaumen: eine Kaspressknödelsuppe und ein leicht karamellisierter Kaiserschmarrn. Ein optischer Genuss ist der Blick auf den Drachensee – sozusagen „Tiroler Loch Ness“. Warum er so heißt, weiß eigentlich keiner so genau, da es auch keine konkrete Drachensage in dieser Bergregion gibt. Gleiches gilt für den Drachenkopf. So manch einer aber vermutet, dass der Drachensee so heißt, weil böse Schwiegermütter hier versenkt wurden … oder lebt vielleicht doch ein echtes Seeungeheuer im 28 Meter tiefen Drachensee? So abwegig wäre das nicht, schmunzelt Hüttenwirt Friedl, denn im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Innsbruck wurden hier vor vielen Jahren einmal kanadische Saiblinge ausgesetzt. Ihnen bekam die Höhenlage bestens und bis heute sind die riesig gewordenen Saiblinge im Drachensee. Ab und zu kommen sie an die Seeoberfläche und in der Abenddämmerung könnte so ein fetter Saibling schon mal für ein Seeungeheuer gehalten werden.

Wo bleibt der Drache

Doch auch ohne Drachen genießen die Wanderer den traumhaften Herbstnachmittag auf der Coburger Hütte, ist doch ein wahrer Traumplatz direkt unterm Drachenkopf und überm Drachensee. Und mit etwas Fantasie lässt sich ganz oben in den Felsen des Drachenkopfs bei schon tiefer stehender Sonne ein zauberhafter Lichtstrahl entdecken: das Drachenauge. Doch egal ob Drachenauge oder Seeauge – am Ende sind alle glücklich und zufrieden wie im Märchen.

Wenn Sie dem Drachenkopf auf den Leib rücken möchte – die Coburger Hütte (www.coburgerhuette.at) hat noch bis zum 11. Oktober geöffnet. Die Ehrwalder Almbahn (www.almbahn.at), die den Anstieg gerade an schon kürzeren Herbsttagen reduziert, ist von 8.30 bis 16.45 Uhr in Betrieb.

Der Drachenkopf


14