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In den Tannheimer Bergen Der Johann, der Gimpel und der Mut

Vogelnamen für Berge gibt es öfters. Da wäre zum Beispiel der Hochvogel in den Allgäuer Alpen, der aus einigen Blickrichtungen vielleicht wirklich so aussieht wie ein gewaltiger Vogel mit ausgebreiteten Schwingen. Über die Krähe im Ammergebirge haben wir schon berichtet, ebenso über den Falkenstein bei Zwiesel. Heute geht es in der Rucksackradio-Serie „Tierisch schöne Touren“ auf den Gimpel in den Tannheimer Bergen, auch bekannt als „Tannheimer Dolomiten“.

Stand: 23.08.2014

Klettern mit Kindern am Gimpel | Bild: BR, Georg Bayerle

Der 2173 Meter hohe Gimpel ist der prominenteste und markanteste Zacken unter den Klettergipfeln hier und hat so gar nichts mit dem kleinen, etwas pummeligen Piepmatz gemein.

Am Einstieg zum Westgrat

Vor allem für die Allgäuer und bayerischen Schwaben sind die Tannheimer Berge ein Paradeziel. Als Zackenreihe aus Wettersteinkalk thronen sie über dem Ostallgäu, mittendrin der beeindruckende Gimpel, flankiert von Roter Flüh und Kellespitze. Vor allem ein Anstieg zum Gipfel besitzt geradezu Legendencharakter: die Route „Nur Mut, Johann“. Wo sie aus den Schrofen heraus in den blanken Fels führt, öffnet sich ein imposanter Tiefblick. Ausgesetzt geht es dann in leichter Kletterei über den Westgrat auf den Gipfel. Julius Bachschmid aus Kaufbeuren hat 1896 mit zwei Kameraden den Westgrat erstbestiegen und nach einer hagebuchenen Abseilaktion an einem aufragenden Felsblock den Aufruf „Nur-Mut-Johann“ drangepinselt.

Gämsen kreuzen den Weg

Am Gimpel gibt es etliche Kletterführen, die von klassischen Routen wie dem Westgrat bis hin zu Sportkletterrouten wie der „Primavera“ im Schwierigkeitsgrad IX minus reichen. Der Gimpel war einer der ersten Berge im Allgäu, dessen häufig begangene Routen Ende der 1990er-Jahre mit Bohrhaken ausgestattet wurden, nachdem eine Seilschaft aus Oy-Mittelberg nach einem Standhakenbruch abgestürzt war. 1990 hat der Pfrontner Bergführer Toni Freudig zudem ein Höhlensystem in der Südwand entdeckt, das so genannte Gimpellabyrinth.

Am Westgrat

Selbst der Normalweg durch die Südwand und über den Ostgrat ist nur durch Kletterei im zweiten Schwierigkeitsgrad begehbar. Doch er lohnt die Aufstiegsmühe. Auf dieser Route bleibt vielleicht mehr Zeit darüber nachzudenken, woher der Name Gimpel kommt. Der elfjährige Malte vermutet einen Martin Gimpel als Erstbesteiger …? Gut gedacht, aber falsch. Der Name hat etwas mit Königin Marie von Bayern zu tun, der bergaffinen Preußen-Prinzessin.

Tannheimer Tal mit Haldensee

In alter Zeit waren den Bewohnern die auf keinem Weg einfach zugänglichen Tannheimer Berge in erster Linie lästig: Metzenarsch und Hochscheisser waren die wenig schmeichelhaften Begriffe für die steilen Klippen, von denen Steinschlag und Lawinen drohten. Als sich die Mutter des Märchenkönigs von Schloss Hohenschwangau aus das Panorama erklären ließ, mussten flugs andere, weniger deftige Namen her. Wie so oft kamen sie von den Flurnamen am Berg: In der Kelle und von der Alpe Gimpel, die ihrerseits von Gumpen kommt, was in dem Fall soviel wie Kar oder Hochtal bedeutet. Gumpen – Gimpel. Die grüne ‚Gumpen’ unter der Südwand des Gimpel ist wunderschön. Auch einem Gamsrudel gefällt es hier ausnehmend gut. Noch schöner ist natürlich oben am Gimpel. Nur einen Gimpel sieht man hier selten fliegen – aber der hat mit dem Berg auch gar nichts zu tun.


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