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Trekking am Fuß der Annapurna Himmlische Pfade in der grünen Hölle Nepals

Abgesehen von einzelnen Regionen, in denen die Verwüstungen der beiden schweren Erdbeben von 2015 nicht so schnell beseitigt werden können, sind Bergtouren wieder gut möglich, auch im Gebiet der Annapurna, des zehnthöchsten Achttausenders.

Von: Folkert Lenz

Stand: 04.11.2016

Am Fuß der Annapurna  | Bild: BR; Folkert Lenz

Auf geht’s: Durch Gärten und Felder in den Bergwald

Fünf Häuser am Straßenrand, Hühner picken unter den Büschen, Bäume wachsen am Hang, in die Hügel führt ein Pfad. Zunächst geht es durch Gärten und Felder, dann verschwindet der rutschig gepflasterte Trail im grünen Dickicht. Die Annapurna-Vorberge sind grün und haben bis in 2600 Meter Höhe schöne Wälder. Es gibt riesige Rhododendronbäume, bis zu 35 Meter hoch. Viele verschiedene Vegetationen gedeihen in dieser Region, einzelne Bäume sogar bis auf 4000 Meter hinauf, sagt Trekkingguide Bhola Pathak.

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Unsere Tour führt durch das grüne Nepal am Fuß der Annapurna, nicht in die kargen, hohen Bergregionen mit ihrer dünnen Luft, sondern durch das üppige und fruchtbare Mittelland. Zwischen den Bäumen befinden sich immer wieder Terrassenfelder, auf denen sich Ähren im Wind wiegen. Hirse wird hier angebaut und Anfang November geerntet. Die Einheimischen essen gerne Hirsebrei und Hirsebrot und brennen Schnaps aus der Hirse. Weiter unten im Tal wird auch Reis angebaut. Die terrassierten Felder bilden – von oben gesehen - ein grellgrünes Mosaik. Von den Achttausendern des Himalajas ist hier nichts zu entdecken. Ein dichtes Blätterdach versperrt die Sicht. Doch die grüne Hölle lebt, sagt Bhola, und lauscht ins Gestrüpp: Es gibt Bären, Affen und Languren. Der schönste Vogel, zugleich National-Vogel, ist der Fasan, dessen Federkleid in neun verschiedenen Farben schillert.

Die Machhrapuchhre-Lodge bei Dhampus: Wenige Herbstgäste trudeln hier ein

Die Packpferde auf dem Steig sind allerdings keine Wildtiere. Auf ihren Rücken wird alles transportiert, was in den Bergdörfern an der Annapurna nötig ist, auch das Essen für die Wanderer, die zum Beispiel in der Machhrapuchhre-Lodge Station machen. Am frühen Abend stellt Herbergschef Balram Devkota das auf den Tisch, was die meisten Nepalesen selbst mindestens zwei Mal am Tag essen: Dal Bhat, also Linsensoße mit gekochtem Reis. Als Beilagen gibt es Gemüse, beispielsweise Mangoldblätter, Bohnen oder Kartoffeln.

Herbergsvater Balram Devkota und seine Frau Pabrita sitzen häufig ohne Gäste im Eßsaal ihrer Lodge

Plötzlich trommelt es laut auf das Blechdach der Lodge. Es sind die letzten Auswirkungen des Monsuns.

Am nächsten Morgen schüttet es weiter. Die schneebedeckten Gipfel von Annapurna und Machhrapuchhre, dem „Fischschwanz-Berg“, sowie den Lamjung-Bergen stecken in dicken Wolken. Das ist keine Seltenheit in einer Gegend mit 5000 Millimetern Niederschlag pro Jahr. Nur nicht stehenbleiben heißt es darum beim Abstieg, denn sonst krabbeln sofort kleine Tierchen aus den Pfützen an den Bergstiefeln hoch: Blutegel-Alarm! Wenn es die Sonne scheint, ziehen sich die Blutegel in die Büsche zurück. Beginnt es zu regnen, kommen sie heraus und heften sich an die Schuhe der Wanderer. Also nichts wie weg aus dem nassen Wald! Über Jeep-Pisten geht es hinab Richtung Pokhara, vorbei am sonnenglitzernden Phewa-See.

Die Annapurna


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