7

Auf den Rabenkopf Eine Herbsttour mit Tiefblick

Der Rabenkopf im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz/Wolfratshausen hat gleich zwei attraktive Aufstiegswege zu bieten: einer führt von der Jachenau aus durch die Rappinschlucht an der Staffelalm vorbei hinauf auf den 1559 Meter hohen Gipfel. Der zweite und kürzere beginnt in Pessenbach – einem Weiler zwischen Kochel und Benediktbeuern.

Von: Angela Braun

Stand: 14.10.2017

Auf den Rabenkopf | Bild: BR; Angela Braun

Zweieinhalb Stunden dauert der Aufstieg. Mitte Oktober ist dieser vor allem bei Münchnern beliebte Voralpen-Gipfel geradezu ideal. Er lockt mit grandiosen Ausblicken und die Staffelalm ist noch bis Anfang November bewirtschaftet.

Durch den Herbstwald

Morgenstimmung in Pessenbach

Wir haben den Parkplatz in Pessenbach gerade hinter uns gelassen, da kommen uns nach einer Viertelstunde durch den schattigen Mischwald bereits drei junge Wanderer entgegen. Dabei ist er gerade mal neun Uhr in der Früh. Sandra, Sebastian und Lea aus München waren zum Sonnenaufgang oben am Rabenkopf ganz allein - oder besser gesagt fast allein. „Zwei Gämsen auf dem Vorgipfel waren auch da. Das sah so schön aus“, berichten die Frühaufsteher. Wir bewundern die drei jungen Münchner und steigen dann auf dem steinigen Karrenweg weiter bergauf.

Die Sonne blinzelt durch die lichten Buchen

Steiniger Waldweg zwischen Schatten und Sonne

Mal geht’s auf dem Forstweg, dann wieder auf schmalen, steileren Pfaden durch den Wald. Die Sonne blinzelt durch die lichten Buchen, die Blätter segeln raschelnd zu Boden. Wir erreichen die Orterer Alm. Sie liegt am Fuße eines Hangs. Ein guter Platz zum Rasten – und zum Philosophieren übers Wandern , die wohl einfachste Art sich wohlzufühlen.

Zufällige Begegnung mit Wandergruppe vom DAV-Projekt ALM

Herbstfarben

Dann geht’s seitwärts hinauf, die Farben werden immer kräftiger. Wir queren ein mit Gräsern bewachsenes Kar, das Rot, Ocker und in Brauntönen nur so leuchtet. Ein paar abgestorbene Bäume mahnen an die Vergänglichkeit und passen doch so gut hinein in dieses herbstliche Naturschauspiel. Unterhalb des Gipfesl treffen wir auf eine internationale Gruppe: sechs Wanderer - zwei davon sind Flüchtlinge aus Afghanistan. Die Gruppe aus Penzberg ist Teil des Projektes ALM, bei dem der Deutsche Alpenverein und die Malteser Flüchtlingen die Liebe zu den Bergen vermitteln wollen und sie dabei auch Einheimische kennenlernen, so wie Jörg: „Ich mach gern die Tour mit, um unsere Gegend zu zeigen; Man merkt, die Leute sind froh , was neues zu sehen , aus der Herberge, der tristen Umgebung rauszukommen. Die Wanderung ist letztendlich die Möglichkeit abzuschalten und mal an was anderes zu denken“.

Einkehr auf der Staffelalm

Auf der großen Aussichtsbank an der Staffelalm

Der frische Wind vertreibt uns bald wieder vom Gipfel des Rabenkopfs. Die Balken des alten Kreuzes dienen alt Sitzplatz und doch zieht es uns hinunter zur Staffelalm. Die gemauerte Unterkunft hat der Maler Franz Marc zu Beginn des 20. Jahrhunderts gern und oft genutzt. Seit vier Jahren ist Britta als Sennerin jeden Sommer drei Monate hier oben – und bewirtet viele Gäste. „Alles Mögliche: Wanderer, Einheimische , Städte , Radlfahrer. Einen guten Radweg gibt es von der Jachenau hier rauf. Was sehr zunimmt sind die E-Biker, die älteren Semester ,die schaffen es auch auf die Staffelalm herauf , dank E-Bike“, berichtet die Wirtin.

Wandbilder von Franz Marc in der Hütte

Viele Wanderer wollen auch die Wandbilder sehen, die Franz Marc in der Hütte geschaffen hat. Zwei Hirsche sieht man gut durch das Ausgabefensterl. Und auch eine Brotzeit sollte man sich auf der Staffelalm nicht entgehen lassen. „So viel Kulinarisches hab ich aber nicht zu bieten“, meint die Sennerin. „ Käse, Speck, selbstgebackenes Brot - und natürlich unser Almkäse aus der Jachenauer Hofkäserei. Und am Sonntag gibt’s frische Strizzel bei mir“.

Grandioser Ausblick

Blick auf den Kochelsee und das Kocheler Moor

Dazu der Ausblick von der Terrasse - da bleibt man gern länger sitzen. Den Latschenkopf, Juifen, Roß- und Buchstein, Halserspitz und Risserkogel kann man von hier oben sehen – und in die Jachenau.

Der Rabenkopf


7