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Bergtour auf den Mount Meru Auf den Vulkan-Nachbarn des Kilimandscharo

Er steht im wahren Sinne des Wortes im Schatten seines mächtigen Nachbarn, des Kilimandscharo: der Mount Meru. Dabei müsste sich der 4562 Meter hohe Vulkan-Gipfel wahrlich nicht verstecken, ist er doch der dritthöchste Berg in Tansania. Seine Besteigung gleicht einem Marsch durch den Klimagürtel der Erde.

Von: Folkert Lenz

Stand: 04.03.2017

Durch den Dschungel und über Geröllfelder | Bild: BR; Folkert Lenz

Der Weg führt aus der Savanne und durch den Dschungel hinauf in die alpine Wüste der Gipfelregion – und während der Tour müssen die Bergwanderer auch immer damit rechnen auf wilde Tiere zu treffen.

Trotz Waffe: Der Job von Joseph Samba ist es, die Wildtiere zu beschützen, nicht sie zu töten

Ranger Joseph Samba wollte eigentlich nur vorschriftsmäßig eine Gruppe von Bergwanderern durch den Dschungel zur Miriakamba-Hütte begleiten. Doch nun steht da dieser pechschwarze Koloss von einem Kaffernbüffel, scharrt nervös mit den Hufen und ist unschlüssig, ob er zur Attacke übergehen soll. Der Wildhüter nimmt vorsichtshalber seine Flinte von der Schulter und erklärt, dass die Büffel in der Gegend die gefährlichsten Tiere sind und es gar nicht mögen, wenn man ihnen zu nahe kommt. Wenn man es doch tut, dann greifen sie an. Die Gruppe tritt somit den geordneten Rückzug an und auch der Büffel trollt sich.

Der Aufstieg zum Little Meru: Immer auf einem guten Weg

Am nächsten Morgen verlässt die Wandergruppe den Kraterboden des Meru, auf dem die Begegnung mit dem Büffel stattfand. Steil geht es nun durch den immer lichter werdenden Regenwald bergauf. Der Gipfel verschwindet in den Wolken – wie so oft. An die 900 Treppenstufen führen in die Höhe. Die Nationalpark-Arbeiter haben die Trasse angelegt, um den Trägern und Trekkern das Gehen zu erleichtern, erzählt Wanderführer Daniel Kimbory. Später am Tag geht es in endlosem Zick-Zack die Serpentinen zur Sattel-Hütte hinauf. Die Touristenhäuser liegen auf 3500 Meter Höhe knapp über der Waldgrenze. Als Nachmittagsausflug bietet sich der Little Meru an, bietet er doch einen idealen Ausguck auf die Route zum Hauptgipfel.

Zwischenstopp mitten in der Nacht: Der Rhino Point

Viel Schlaf gibt es nicht vor dem Aufbruch zum Gipfel des Mount Meru. Die Etagenbetten der Hütte sind eng, die Luft in der Höhe ist dünn. Kurz nach Mitternacht geht es dann hinaus in die Kälte. Stirnlampen sind überflüssig, denn das helle Licht des Vollmonds taucht die Berglandschaft in einen unwirklichen Schein. Nächtliche Schatten turnen über die Geröllhänge.

Zum Gähnen: Das mitternächtliche Aufstehen vor der Bergtour auf den Meru ist nicht jedermanns Sache

Im Mondlicht laufen zu können, ohne die Lampe anschalten zu müssen, begeistert die Wanderer. Ob man mehr Licht braucht, wenn das Gelände schwieriger wird, das wird sich zeigen. Wanderführer Daniel empfiehlt, sich an Steinen und am Fels festzuhalten und die angebrachten Ketten zu benutzen. Die heiklen Passagen sind schnell bewältigt, dann geht es weiter hinauf und immer am felsigen Kraterrand des ehemaligen Vulkans entlang. Bald zeigt der Himmel eine erste zartrosa Tönung im Osten, dann passiert der Sonnenball in feurigem Rot den Horizont.

Gipfelfreude auf dem Meru (4.566 m). Die Bremer Alpenvereinsgruppe mit BR-Autor Folkert Lenz (vorne links)

Doch auch im nun wärmenden Sonnenlicht geht es nicht vielschneller voran. Der wenige Sauerstoff fordert seinen Tribut. Immer wieder heißt es über die steilen Felsen alter Lavaströme klettern. Plötzlich taucht sie wie aus dem Nichts auf: die grün-schwarze Blechfahne, die den Meru-Gipfel markiert. Die Ankömmlinge sind müde und erleichtert, Bergführer Daniel hat noch genug zum Luft zum Singen. Er legt er die Hand aufs Herz und stimmt die tansanische Nationalhymne an.

Der Mount Meru


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