Unterrichtsausfall Spaenle nimmt Stellung

In Bayern herrscht Lehrermangel, deshalb fällt häufig der Unterricht aus, klagen Eltern und Lehrerverbände. "Stimmt nicht", sagt Bayerns Kultusminister Spaenle. Die Unterrichtsversorgung sei gesichert. Nun stellte der Minister Details dar.

Stand: 09.02.2012
Spaenle vor leerem Klassenzimmer | Bild: picture-alliance/dpa; colourbox.com; Montage: BR

Der bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) warnt vor einem massenhaften Unterrichtsausfall. Die Personaldecke sei hauchdünn. Daher könnten Stundenstreichungen und -kürzungen im zweiten Schuljahr dramatische Formen annehmen. Die Schulen suchten händeringend Lehrkräfte, sagte Verbandspräsident Klaus Wenzel kürzlich in München. Trotzdem stünden viele Pädagogen auf der Straße. Grundsätzlich aber begrüßte man die Verbesserungen, die der fachminister bekannt gab.

Besonders Grund-, Haupt- und Mittelschulen betroffen

Besonders angespannt ist aus Sicht des Verbandes die Lage an den Grund-, Haupt- und Mittelschulen in Oberbayern und Unterfranken. Auch an den bayerischen Gymnasien sei die Situation prekär. Nach Ansicht des Verbandes rächt sich dort eine kurzsichtige Sparpolitik des Kultusministeriums. Der Bayerische Philologenverband kritisiert, dass von 800 fertig ausgebildeten Gymnasiallehrern nur 200 in den Schuldienst übernommen würden.

Spaenle wehrt sich gegen Kritik

Nun stellte sich Kultusminister Ludwig Spaenle der Öffentlichkeit und lieferte Fakten."Wir haben einen Rückgang des Unterrichtsausfalls bayernweit über alle Schularten um etwa ein Drittel", so Spaenle in München. Das haben Erhebungen des Kultusministeriums ergeben. Nur etwas über einen Prozent der Unterrichtsstunden sei ersatzlos ausgefallen. Grund hierfür waren ein Maßnahmenkatalog. Dazu zählten die sogenannte mobile Reserve, d.h. ausgebildete Lehrkräfte, die bei längerfristigen Vertretungen einspringen können. Oder eben bezahlte mehrarbeit oder organisatorische Maßnahmen. Nach wie vor sind Krankheiten der häufigste Grund für den Stundenausfall. In Zukunft soll das Problemfeld "Unterrichtsausfall" mit fünfhundert zusätzlichen Stellen weiter minimiert werden, so der Minister. Schon zuvor hatte Spaenle Entwarnung gegeben. Die Unterrichtsversorgung sei "an allen Schularten sichergestellt". Seit Beginn des Jahres stünden den Gymnasien zusätzliche 4,5 Millionen Euro für Aushilfslehrkräfte zur Verfügung, rechnete Spaenle vor. Dazu seien im Nachtragshaushalt 2012 für alle Schularten weitere Mittel zur Bekämpfung des Unterrichtsausfalls vorgesehen. Auch der Koalitionspartner FDP wies die Vorwürfe des Lehrerverbandes zurück. "Schwarzmalen hilft uns nicht weiter", sagte die bildungspolitische Sprecherin der Liberalen, Renate Will.

Opposition: Falsche Einstellungspolitik

Blick in ein Klassenzimmer | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Unterrichtsausfall Eltern und Lehrer sehen keine Besserung

Das Kultusministerium sagt: durchschnittlich zwei Prozent des Unterrichts in Bayern fällt ersatzlos aus. Durch Verstärkung "mobiler Reserven" soll das Problem eingedämmt werden. Doch Eltern- und Lehrerverbände bleiben skeptisch. [mehr]

Die Opposition in Bayern teilt die Kritik des BLLV. Unterstützung erhielt der Verband von der Opposition im Landtag. Die Problematik sei jedes Jahr die gleiche. Gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer seien arbeitslos, während zur gleichen Zeit quer durch alle Schularten der Unterricht ausfalle, klagt der schulpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Thomas Gehring. Spaenle habe weder Ideen noch Strategien, wie er mit diesem Problem umgehen solle. Der SPD-Bildungsexperte Martin Güll spricht von einer "falschen Einstellungspolitik des Kultusministeriums". Diese werde nun auf dem Rücken der Schüler ausgetragen.

Freie Wähler: Entwicklung verkannt

Nach Ansicht der Freien Wähler hat die Staatsregierung nicht rechtzeitig auf die demografische Entwicklung reagiert. Außerdem sei absehbar gewesen, dass wegen der neuen Altersteilzeitregelung von Februar an mehr Lehrer gebraucht würden. Nun stünden viele junge Lehrer, die der Freistaat im Herbst in die Arbeitslosigkeit entlassen habe, nicht mehr zur Verfügung, da sie sich nach anderweitigen Beschäftigungsmöglichkeiten umsehen mussten, so FW-Bildungsexperte Günther Felbinger.