Pflege Was brachte die Reform?
Eigentlich sollte das Jahr 2011 in der Politik zum Jahr der Pflege werden. Doch was von der Regierung als der große Wurf angekündigt wurde, hielt der Kritik von Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbänden nicht stand. Was bringt die Pflegereform wirklich?
Obwohl die Pflegereform seit Jahren in der Politik diskutiert wird – junge Menschen machen sich darüber kaum Gedanken. Pflegebedürftige und deren Angehörige haben dagegen sehnsüchtig auf die Pflegereform gewartet. Denn das Thema bestimmt ihr Leben – im Gegensatz zu den Jüngeren.
Denken Sie dran, wie es ist, wenn sie 80 sind?
"Ich denke ganz oft dran, wie es ist, wenn ich nicht mehr arbeite und viel Zeit hab. Ich denk allerdings ganz selten dran, wie es ist, wenn ich schwer krank oder pflegebedürftig bin. Muss ich ehrlich sagen."
Umfrage
"Ja das ist wie mit dem Testament, das ist alles so weit weg, ne?"
Umfrage
"Man weiß schon, dass es bei uns in Zukunft nicht mehr funktioniert, bei den Kindern noch weniger. Und insofern, müsste man was machen, aber man macht es nicht, aus Bequemlichkeit."
Umfrage
Statistisch gesehen wird das Problem einen dieser drei einholen, denn jeder dritte Deutsche über 80 wird zum Pflegefall.
Ein Szenario, das die Politiker dieses Jahr letztlich doch noch zu einer Entscheidung in der Pflegereform gedrängt hat. Große Erwartungen hatten Sie geschürt, was ist daraus geworden?
Bisher haben sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber einen Beitrag in Höhe von 1,95% für die Pflege geteilt. Dieser wird 2013 um 0,1% erhöht. Daraus ergeben sich dann 1,1 Milliarden Euro mehr für die Pflege.
Klingt erst einmal gut, ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn der Betrag wird nicht reichen für 2,3 Millionen Pflegebedürftige. Deswegen haben die Politiker auch entschieden, dass es zusätzlich noch staatliche Förderungen für freiwillige, private Zusatzversicherungen geben soll.
Wären Sie bereit so eine Zusatzpflegeversicherung abzuschließen?
"Nein."
Umfrage
Warum nicht?
"Weil ich schon genug zahle und zu wenig übrig bleibt."
Umfrage
"Es kommt drauf an, wie viel es mich kostet, ich bin Studentin, ich kann mir nicht so viel leisten, weil ich auch gar keinen Job hab."
Umfrage
Das bestätigt die Befürchtungen (der Sozialverbände). Der VdK warnt, dass bei einer freiwilligen Zusatzversicherung gerade die Geringverdiener auf der Strecke bleiben.
"Sie sollen ja schon jetzt zusätzliche Altersvorsorge machen. Also zusätzliche AV, dann müssen sie im Gesundheitsbereich vorsorgen das sie irgendwelche z.B. Zahnersatz müssen sie vorsorgen, sie müssen ihre Brillen heute selber finanzieren – also sie haben schon ne Menge Belastungen, die sie individuell absichern müssen und jetzt kommt noch die Pflege dazu – also irgendwo ist das Ende der Fahnenstange erreicht."
Ulrike Mascher, Sozialverband VdK Deutschland
Auch die Arbeitgeber sind allerdings der Meinung, dass bei Ihnen das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Für sie ist die Erhöhung des Beitragsatzes um 0,1% das absolute Maximum. Eine weitere Steigerung der Lohnnebenkosten wäre für sie nicht denkbar.
"Der Einzelne ist in unserer Gesellschaft erst einmal selbst verantwortlich. AG leisten ihre Beiträge bereits heute in dem System der PV, sie leisten ihre Beiträge in der Krankenversicherung, das darf man nicht überborden, denn sonst gefährdet man die Arbeitsplätze in Deutschland und dann hätten wir insgesamt hinterher ein Problem."
Bertram Brossardt, Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.
So steuert unsere Gesellschaft also zwangsläufig auf eine Lücke im Finanzierungssystem der Pflege hin, denn die Beschlüsse der Regierung reichen bei weitem nicht aus. Das ist dramatisch...
... denn wir werden älter und die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich bis 2050 auf 4,7 Millionen verdoppeln. Gleichzeitig wird die Zahl der Erwerbstätigen um ein Viertel sinken.
Die Zukunft verheißt also nichts Gutes, dabei reicht es jetzt schon oft hinten und vorne nicht mehr. Geld und Leben hat darüber schon mehrmals berichtet, wie im Fall von Walter Bschorr und seiner pflegebedürftigen Mutter.
"Wir bezahlen monatlich ca. 1700 zusätzlich zu dem, was die Pflegekasse zahlt an das Altersheim. Das bedeutet, dass das Kapital, was sich meine Eltern ihr Leben lang vom Munde abgespart haben, bald aufgebraucht sein wird und wir buchstäblich Haus und Hof verkaufen müssen."
Walter Bschorr, Oktober 2011
Die Entscheidung der Koalition bringt keinerlei Fortschritt. Viele Menschen trauen der Politik nicht mehr zu, dieses Problem überhaupt noch lösen zu können.
"Man kann sich natürlich nicht drauf verlassen, dass die Kinder dann später für einen das zahlen oder es überhaupt genug Menschen gibt, die für einen aufkommen."
Umfrage

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